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22.09.2011

PapstBesuch (VI)

"Nicht nur Ausdruck des Unwillens"

Der evangelische Ökumene-Experte Hans-Peter Großhans von der Universität Münster erwartet vom Deutschlandbesuch des Papstes am kommenden Wochenende keine weitere Annäherung der beiden großen christlichen Kirchen. In Lehre, Organisation und Gottesdiensten unterschieden sich die katholische und evangelische Kirche so stark voneinander, dass in der Ökumene keine Fortschritte zu erwarten seien, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag des Theologen für das Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Hochschule.

„Die Differenzen zwischen den beiden Kirchen sind nicht nur Ausdruck eines Papstbesuch Unwillens“, schreibt der Leiter des Ökumenischen Instituts der Evangelischtheologischen Fakultät der Universität Münster. Vielmehr handele es sich um berechtigte sachliche Unterschiede, über die in theologischen Arbeitskreisen und in kirchlichen Gremien ökumenisch gearbeitet und diskutiert werde. „Auch ein päpstliches Wort kann diese Sachfragen nicht abschließend beantworten und die Differenzen auflösen.“ In den Fragen etwa zum gemeinsamen Abendmahl, zu Unterschieden in der Amtsauffassung oder zum Kirchenverständnis seien dementsprechend keine Änderungen zu erwarten.

Die Begegnung von Papst Benedikt XVI. mit Repräsentanten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) könne in manchen Punkten jedoch Impulse für die Ökumene bringen, wenn das Gespräch auf wenige Themen konzentriert werde, schreibt der Theologe weiter. So rechnet Großhans mit Blick auf die Feiern zum Reformationsjubiläum im Jahr 2017 damit, dass die katholische Kirche Martin Luther als Lehrer der Kirche anerkennen wird. „Bislang ist allerdings umstritten, ob die katholische Kirche die Reformation eher mit Wehmut und Trauer oder mit positiven Gefühlen betrachten soll. Von Benedikt XVI. darf dazu eine Erklärung erwartet werden“, heißt es.

Der Theologe betonte, dass in Deutschland schon viele erfolgreiche ökumenische Aktivitäten stattfänden, von den Kirchengemeinden bis zu Kooperationen zwischen EKD und Deutscher Bischofskonferenz. Die Dialoge liefen bereits lange und ganz gut, schreibt er. Die von führenden Protestanten gewünschte „Initialzündung für den weiteren ökumenischen Dialog würde den ökumenischen Motor aber eher ins Stottern bringen“. Vielmehr erwartet der Experte, dass der Papst den rege stattfindenden Dialog bekräftigen werde. Der Beitrag von Hans-Peter Großhans ist im Internet auf der Webseite des Exzellenzclusters „www.religion-und-politik.de“ veröffentlicht worden.

text: epd/ör-wj

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