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16.08.2011

Wirtschaft

Ethiker gegen Rating-Agenturen

Wirtschaftsethiker fordert Entmachtung von Rating-Agenturen

Der evangelische Wirtschaftsethiker Traugott Jähnichen hat angesichts der Finanzkrisen in Europa eine stärkere Kontrolle von Rating-Agenturen gefordert. „Die Macht der Rating-Agenturen muss beschnitten werden, sonst ist die nächste Krise programmiert“, sagte der Bochumer Professor für Christliche Gesellschaftslehre der in Bielefeld erscheinenden evangelischen Wochenzeitung „Unsere Kirche“ (Ausgabe 21. August). Drei Agenturen in der USA hätten einen Weltmarkt-Anteil von 95 Prozent. Diese privaten Unternehmen könnten Staaten vor sich hertreiben. „Das stellt jedes demokratische Prinzip infrage“, sagte Jähnichen.

Als problematisch bewertete der Wirtschaftsexperte und Theologe, dass die Agenturen nicht nur Transaktionen beurteilten sondern auch durch Kundenberatung an den Folgen verdienten. Das sei so, als wenn der TÜV die Qualität von Autos bewerte und zugleich als Berater von Autoherstellern auftrete, kritisierte Jähnichen. Aufgabe der Börse sei es, Firmen mit neuen Ideen aber ohne genügend Geld mit anlagewilligem Kapital zusammenzubringen. Diese Basisfunktion sei jedoch in den letzten 15 Jahren immer weiter in den Hintergrund getreten, beklagte der Diplom-Ökonom. Anleger seien häufig nicht mehr am Wohl des Unternehmens interessiert.

„Diese Finanzjongleure haben nur noch kurzfristigen Gewinn im Blick“, kritisierte Jähnichen. Der Wirtschaftsethiker plädiert dafür, kurzfristiges Engagement an den Börsen deutlich höher zu besteuern.

text: epd-west/ör-wj
foto: tagesschau.de

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