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17.08.2011

SommerGeschichte(n)

"Wie radioaktiv ist meine Bank?"

Für eine Welt ohne Ausbeutung und Atomkraft - Umweltverbände helfen Kunden beim Wechsel zu einer »fairen« Bank

Umweltverbände rufen Verbraucher, die ihr Geld sauber anlegen wollen, zum Bankenwechsel auf. Man müsse die Atomindustrie nicht unterstützen, heißt es. Wer will, soll sein Erspartes einem alternativen Geldinstitut anvertrauen, das umweltfreundliche und soziale Projekte unterstützt. Aber hat der Kunde überhaupt die Macht, geldgierigen Spekulanten das Handwerk zu legen?

»Sehr geehrter Herr Dr. Ackermann, hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich mein Konto kündige. Denn ich möchte nicht, dass mein Geld in irgendeiner Weise für Geschäfte mit der Atomindustrie verwandt wird.« Mit Musterbriefen wie diesem unterstützt die Umweltorganisation Urgewald im ostwestfälischen Sassenberg Wechselwillige bei der Kontoauflösung bei atomfreundlichen Großbanken wie der Deutschen Bank.

»Es sind Leute, die besorgt sind über den Zustand der Welt«, beschreibt Regine Richter von Urgewald die Klientel. »Das sind Mutbürger, die sich fragen, was sie mit ihren Mitteln tun können für eine Welt ohne Ausbeutung und Umweltzerstörung.« Urgewald hat recherchiert, in welchem Umfang deutsche Banken die internationale Atomindustrie in den Jahren 2000 bis 2009 unterstützt haben: Die Deutsche Bank belegt demnach mit 7.842 Millionen Euro Platz eins. Die Commerzbank, mit 3.926 Millionen Euro Platz zwei der Atomstromunterstützer-Liste, gilt zum Beispiel als größter deutscher Finanzdienstleister des Energieriesen Eon.

Auch das globalisierungskritische Netzwerk Attac will mit seiner Anti-Rüstungs- und Atomstromkampagne »Krötenwanderung« Verbraucher wachrütteln, die nicht länger wollen, »dass über ihre Köpfe hinweg regiert wird«, sagt Jutta Sundermann von Attac. Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die Wirtschaftskrise, das Atomunglück in Fukushima, die Griechenlandkrise: Seit diesen Ereignissen wachse der Wunsch nach Sicherheit und des sich Wehrens bei vielen Kunden. Als Alternativen zu sogenannten Atombanken nennt sie die Bochumer GLS Bank, die niederländische Triodos Bank sowie die Umweltbank und die Ethikbank.

Alle vier Geldinstitute sind Direktbanken, die keine Filialen mit persönlichem Kundenkontakt betreiben. Triodos Bank und Umweltbank vergeben Kredite und legen Geld an, GLS Bank und Ethikbank bieten darüber hinaus Giro- und Geschäftskonten. Dass die Alternativbanken kein Filialgeschäft hätten, tue dem Erfolg keinen Abbruch, sagt Udo Steffens. »Im Gegenteil, eine Präsenzbank aus der Taufe zu heben, wäre heute gar nicht mehr realisierbar, die Kosten wären viel zu hoch«, ist der Präsident der Frankfurt School of Finance & Management überzeugt.

Noch sind Institute, die Umwelt- und Sozialstandards ebenso in ihre Geschäftspraxis einbeziehen wie ökonomische Bedingungen, eine Nische für »politisch wache« Menschen, sagt Sylke Schröder, Vorstand und Mitgründerin der Ethikbank. »Aber wir sehen eine Veränderung.« Verbraucher würden heute eher ihre Komfortzone verlassen, der Preis trete häufiger in den Hintergrund als früher. Und: »Die Alternativbanken sind viel transparenter als Großbanken.« Neben klaren Leitlinien beispielsweise gegen Atomstrom, Rüstung, Prostitution oder Kinderarbeit veröffentlichten Alternativbanken die Projekte und Kredite, in die das Geld ihrer Kunden fließt. Dagegen würden Anfragen zum Beispiel an die Deutsche Bank in der Regel mit ausweichenden Standardschreiben beantwortet.

»Der Wechsel zu einer Alternativbank ist eine wirkungsvolle, aber nicht die einzige Möglichkeit für Verbraucher«, meint Richter. Wer nicht wechseln wolle, der solle bei seiner Hausbank immer wieder kritisch nachfragen und Offenheit fordern.

Hinweis: Die Broschüre »Wie radioaktiv ist meine Bank« kann über die Umweltorganisation Urgewald bezogen werden: www.urgewald.de

text: epd/silvia m. bergmann/ör-wj
foto: bundestag.de

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