15.08.2011
SommerGeschichte(n)
Hätten Sie's gewusst?

Pfarrer Rainer Eppelmann (Verteidigungsminister) im Jahr 1990 im Gespräch mit einem DDR-Grenzbeamten
Eppelmann beklagt fehlendes Wissen über den SED-Unrechtsstaat
Gegen das Vergessen und für ein aktives Erinnern hat sich der Theologe und frühere CDU-Politiker Rainer Eppelmann am Freitagabend in Hamm ausgesprochen. Bei der Einweihung eines Platzes der Deutschen Einheit am Vorabend des 50. Jahrestags des Mauerbaus beklagte Eppelmann, der der ersten frei gewählten Regierung der DDR 1990 als Minister für Abrüstung und Verteidigung angehörte, das fehlende Wissen über den SED-Unrechtsstaat.
Bei einer bundesweiten Umfrage unter 16- bis 18-jährigen Gymnasiasten hätten 19 Prozent den letzten SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker für einen Bandleader gehalten, sagte Eppelmann. Für 18 Prozent war der aus der DDR ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann ein langjähriger SED-Generalsekretär und der frühere Bundeskanzler Willy Brandt zweiter Generalsekretär der SED. Bei der gleichen Umfrage hätten 31 Prozent die Frage nach den Unterschieden zwischen einer Demokratie und einer Diktatur nicht beantworten können.
Eppelmann, Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sprach sich dafür aus, nicht mehr das Wort Wende für den friedlichen Umsturz in der DDR zu verwenden. Das sei die Terminologie eines Egon Krenz gewesen, der als Honecker-Nachfolger gehofft hatte, mit einigen Reformen das System retten zu können. In den Jahren 1989, 1990 und 1991 hätten sich den ehemaligen Ländern des Ostblocks vielmehr das Volk gegen ein marodes, wirtschaftlich bankrottes und unmenschliches System erhoben und sich selbst befreit. Eppelmann, der in der DDR als evangelischer Pfarrer zur Oppositionsbewegung gehörte, geriet mehrfach in das Visier der Stasi.
text: epr/ör-wj
foto: bundesregierung
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