08.11.2011
EKD-Synode V
Lehren aus Finanzkrise ziehen!
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dringt auf Konsequenzen aus der internationalen Finanz- und Schuldenkrise. Die Stabilität ganzer Staaten sei bedroht, die Existenzgrundlage vieler Menschen gerate in Gefahr, sagte der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider am Sonntag zum Auftakt der EKD-Synode in Magdeburg. Zudem verteidigte er den Sonderweg der Kirchen beim Arbeitsrecht gegen Kritik aus den Gewerkschaften und unterstrich die Enttäuschung der Protestanten über den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland.
Von den Folgen der Finanzkrise seien weltweit die Armen am stärksten betroffen, sagte Schneider: »Wir benötigen eine Politik, die Finanzakteure so zügelt und Finanzstrukturen so steuert, dass sie nicht der Bereicherung Einzelner, sondern dem Leben vieler Menschen dienen.« Auch in Deutschland vergrößere sich die soziale Kluft. Er sei dankbar, dass die Politik wieder über Mindestlöhne diskutiere. »Eine volle Berufstätigkeit soll so entlohnt werden, dass ein eigenverantwortetes Leben möglich ist«, sagte der rheinische Präses, der an der Spitze der EKD rund 24 Millionen Protestanten in Deutschland repräsentiert, unter dem Applaus der Delegierten.
Der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, forderte in einem epd-Gespräch internationale Maßnahmen zur Eindämmung der Spekulation. Aus der schweren Wirtschaftskrise nach der Pleite der USGroßbank Lehman Brothers vor drei Jahren sei »herzlich wenig« gelernt worden, kritisierte Buß. Kernproblem sei, »dass das Finanzkapital und seine Gesetzmäßigkeiten die Politik vor sich her treiben«. Im Eröffnungsgottesdienst zur viertägigen Synodentagung hatte die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann am Morgen im Magdeburger Dom zum Maßhalten aufgerufen. Es zeige sich, »wie wir über unsere Verhältnisse leben und immer noch auf weiteres Wachstum setzen - als gäbe es keinerlei Grenzen«.
EKD-Ratschef Schneider sagte zum kirchlichen Sonderweg im Arbeitsrecht, der sogenannte Dritte Weg dürfe nicht dazu benutzt werden, kirchliche gegen gewerkschaftliche Interessen auszuspielen. Doch dürften die Träger das besondere Arbeitsrecht in Kirche und diakonischen Einrichtungen auch nicht durch Lohndumping und Zeitarbeit aushöhlen. Für Verstöße müsse es bessere Sanktionsmöglichkeiten geben. Im Dritten Weg sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einer sogenannten Dienstgemeinschaft verbunden, die friedliche Konfliktlösung anstelle von Streik und Aussperrung anstrebt. Arbeitsbedingungen und Tarife werden in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen in paritätisch besetzten Kommissionen geregelt und Streitfragen durch Schlichtersprüche geklärt.
Papstbesuch: Keine inhaltlichen Impulse
In seinem Bericht an das Kirchenparlament sagte Schneider zum Treffen der EKD-Spitze mit Papst Benedikt XVI. im September in Erfurt: »Brennende Fragen des ökumenischen Dialogs wurden gar nicht oder nur missverstehend und missverständlich angesprochen.« Konkrete Anstöße für die theologische Weiterarbeit in den Fragen des Amts- und des Kirchenverständnisses seien ausgeblieben. Vor allem der vom Papst gebrauchte Begriff »Gastgeschenke« habe für Irritationen gesorgt. »’Gastgeschenke’ hat niemand erwartet, wohl aber inhaltliche Impulse«, sagte Schneider. Der Papst hatte in seiner Predigt im Gottesdienst mit der Spitze der EKD erklärt, er habe kein »ökumenisches Gastgeschenk« dabei. Damit wurden Hoffnungen enttäuscht, das Treffen könnte in strittigen Fragen wie einem gemeinsamen Abendmahl und dem Umgang mit konfessionsverschiedenen Ehepaaren eine Annäherung bringen.
Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige verteidigte die Äußerungen des Papstes und rief die EKD zu weiterem Bemühen in der Ökumene auf. Trotz mancher Irritationen, Missverständnisse und Enttäuschungen gelte es, sich weiterhin um verantwortbare Lösungen zu bemühen, sagte Feige in einem Grußwort an die EKDSynode.
Der Papst habe in Erfurt weder die »drängenden Anfragen und Probleme« nivelliert, noch die Fortführung
theologischer Dialoge infrage gestellt, sagte Feige. Vielmehr habe er die Gottesfrage in den Mittelpunkt gerückt. Vordringlich sei für Benedikt XVI., »dass wir nicht einem wachsenden Säkularisierungsdruck nachgeben, sondern uns auf einen gemeinsamen christlichen Glauben besinnen«.
text: epd/ör-wj
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