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21.12.2011

EKiR

Zeichen der Solidarität und Verbundenheit

Oberkirchenrat Georg Immel

Rheinischer Finanzdezernent Immel lässt sein Amt ruhen - Konsequenz aus Ermittlungen im bbz-Finanzskandal

Der Finanzdezernent der Evangelischen Kirche im Rheinland, Georg Immel, lässt als Konsequenz aus den Millionenverlusten bei einem kircheneigenen Unternehmen sein Amt ruhen. Er übernehme damit „einen Teil seiner gesamtkirchlichen und damit auch politischen Verantwortung für die Abwendung weiteren Schadens, der der Kirche durch die Vorgänge bei der bbz GmbH rufmäßig entstanden ist“, erklärte die zweitgrößte deutsche Landeskirche am Dienstagabend in Düsseldorf.

Der 58-jährige Kirchenjurist halte diesen Schritt auch „zur ungestörten Durchführung der notwendigen Ermittlungen“ für „sachdienlich und opportun“, hieß es. Er sei „getragen von dem Bewusstsein, selbst keine Dienstpflicht verletzt zu haben“. Auch die Wirtschaftsprüfer hätten keinen Hinweis auf Verdachtsmomente gegeben.

Gegen Immel wird kirchenintern ermittelt, weil er für die Aufsicht beim Beihilfe- und Bezüge-Zentrums (bbz GmbH) in Bad Dürkheim zuständig war. Das Unternehmen, das der rheinischen Kirche gehört, war durch hoch riskante Kapitalanlagen in finanzielle Schieflage geraten und musste von der Landeskirche mit 20 Millionen Euro gestützt werden. Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ermittelt zudem wegen Anlagebetrugs und Bilanzfälschung gegen neun Beschuldigte, Immel gehört allerdings nicht dazu.

Die rheinische Kirche hatte nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten im Oktober Strafanzeige gestellt. Außerdem entließ sie Geschäftsführer und Prokuristen und tauschte die dreiköpfige Gesellschafterversammlung komplett aus. „Gegen einzelne Personen aus dem Bereich der Gesellschafterversammlung“ werden zivilrechtliche Ansprüche verfolgt. Das Aufsichtsgremium unter Immels Leitung hatte unter anderem fehlerhafte Jahresabschlüsse nicht beanstandet. In der am Dienstagabend verbreiteten Erklärung betont die Kirchenleitung, Immel habe in seinem Verantwortungsbereich bei der Landeskirche seit 2004 „Nachhaltigkeitsfilter eingesetzt und dem Kapitalerhalt Vorrang vor Rendite gegeben“. Seine Tätigkeit in den Gremien, in denen er für die Evangelische Kirche im Rheinland sitze, erfahre hohe Wertschätzung.

Der rheinische Präses Nikolaus Schneider kündigte vor wenigen Tagen auch stärkere Kontrollen kircheneigener Unternehmen an. Im Fall des bbz habe es offensichtlich „ein massives kriminelles Vorgehen“ gegeben, aber auch eine „Schwäche in der Aufsicht“, kritisierte er in einem Interview und fügte hinzu: „Es gibt ethische Standards, und was da an Anlagegeschäft gemacht wurde, spricht allem Hohn.“ Das bbz, das der Landeskirche seit dem Jahr 2000 gehört, hat rund 1.200 Kunden überwiegend aus den Bereichen der kirchlichen und öffentlich-rechtlichen Verwaltung, darunter Banken, Kliniken, Kommunen und Medienunternehmen.

Die GmbH bewegt bei den Abrechnungen für ihre Kunden jedes Jahr dreistellige Millionenbeträge. Die rheinische Kirche ist mit 2,8 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte der 22 evangelischen Landeskirchen in Deutschland.
text: epd/ör-wj

Die Presseerklärung im Wortlaut:
Nach einem Gespräch in der Sitzung der Kirchenleitung erklären die Kirchenleitung und Oberkirchenrat Georg Immel:

1. Vor dem Hintergrund der im Zusammenhang mit den Vorgängen bei der bbz GmbH durchzuführenden Untersuchungen hält Oberkirchenrat Immel es für sachdienlich und auch im Interesse der Kirche für opportun, zur ungestörten Durchführung der notwendigen Ermittlungen bis auf weiteres die Ausübung seines Amtes in der Kirchenleitung ruhen zu lassen.

Dies – getragen von dem Bewusstsein, selbst keine Dienstpflicht verletzt zu haben, insbesondere, weil auch die Wirtschaftsprüfer keinen Hinweis auf Verdachtsmomente gegeben hätten – ist im Wesentlichen als ein von den Mitgliedern der Kirchenleitung auch als solches verstandenes Zeichen der Solidarität und Verbundenheit von Oberkirchenrat Immel mit der Rheinischen Kirche zu sehen. Damit übernimmt Oberkirchenrat Immel auch einen Teil seiner gesamtkirchlichen und damit auch politischen Verantwortung für die Abwendung weiteren Schadens, der der Kirche durch die Vorgänge bei der bbz GmbH rufmäßig entstanden ist.

2. Die Kirchenleitung hebt hervor, dass Oberkirchenrat Immel bei den Kapitalanlagen, soweit sie in seine Verantwortung fielen, bereits seit 2004 Nachhaltigkeitsfilter eingesetzt und dem Kapitalerhalt Vorrang vor Rendite gegeben hat.

3. Die Kirchenleitung hebt weiter hervor, dass die Tätigkeit von Oberkirchenrat Immel in den Gremien, in denen er für die Evangelische Kirche im Rheinland sitzt, hohe Wertschätzung erfährt.

text: ekir-pressestelle/ör-wj

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