19.09.2011
PapstBesuch (II)
Hoffen auf Impulse für Ökumene

Das offizielle Logo des Papstbesuchs in Deutschland.
Protestanten hoffen auf Impulse für Ökumene durch Papstbesuch - Kritik an Visite des Kirchenoberhauptes wird lauter
Knapp eine Woche vor dem Papstbesuch haben prominente Protestanten die Hoffnung auf Impulse für die Ökumene geäußert. Bischöfe beider Kirchen warnten zugleich davor, an die Visite von Benedikt XVI. vom 22. bis 25. September zu hohe Erwartungen zu stellen.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und rheinische Präses Nikolaus Schneider hofft auf mehr Unterstützung für Ehepaare aus unterschiedlichen Konfessionen. Bislang dürfen katholische Christen mit ihrem evangelischen Partner nach offizieller Lehre nicht gemeinsam an Abendmahl oder Eucharistiefeier teilnehmen. Es sei nicht zu erklären, dass konfessionsverbindende Ehepaare kein gemeinsames Abendmahl feiern können, sagte Schneider in der evangelischen TV-Talkshow „Tacheles“ am Donnerstagabend in Hannover. Einer Umfrage zufolge wünschen sich rund 71 Prozent der Deutschen ein gemeinsames Abendmahl.
Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad erhofft sich vom Papst eine Neubewertung der Reformation durch die katholische Kirche. Vom geplanten Treffen Benedikts mit Vertretern der EKD im Erfurter Augustinerkloster am 23. September erwarte er auch deutliche Aussagen zur Zukunft der Ökumene, sagte Schad in einem epd-Gespräch. Der Papst habe im Blick auf die ökumenische Begegnung in Erfurt selbst hohe Erwartungen geweckt.
Dagegen dämpfte der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich die Erwartungen an den Papstbesuch. „Durch diesen Besuch ändert sich die Welt nicht wirklich - auch die ökumenische nicht“, sagte Friedrich am Freitag dem epd.
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sagte, für Durchbrüche etwa in der Ökumene fehle bei dem viertägigen Besuch die Zeit. Zudem sei es „ein Aberglaube, dass römische Alleingänge hier etwas bewirken könnten“. Es sei schon „eine kleine Sensation“, dass der Papst in Erfurt die Schwelle des Klosters überschreite, in dem Martin Luther viele Jahre lebte. Weiter befürwortet Kardinal Lehmann innerkirchliche Reformen wie etwa einen neuen Umgang mit Geschiedenen, die wieder heiraten. Es gelte, „die Unauflöslichkeit der Ehe, die biblisch gut begründet ist, nicht aufzugeben, aber eben doch der Komplexität von Beziehungen Rechnung zu tragen“, sagte Lehmann der „Frankfurter Rundschau“ (Samstagsausgabe).
Unterdessen wird auch die Kritik am Papstbesuch lauter. Eine zum Besuch von Benedikt am Donnerstag in Berlin geplante Demonstration von Kirchenkritikern steht unter dem Motto „Keine Macht den Dogmen!“. Darauf hätten sich die Vertreter der 65 Verbände, Organisationen und Parteigliederungen des Bündnisses „Der Papst kommt“ bei einem Treffen am Donnerstagabend verständigt, sagte Koordinator Pascal Ferro dem epd. Die Veranstalter der Protestdemonstration rechnen mit 10.000 bis 20.000 Teilnehmern. Rund hundert Abgeordnete von Grünen, Linkspartei und SPD wollen der Rede von Benedikt XVI. am 22. September fern bleiben. Bei katholischen Bischöfen war diese Ankündigung auf Kritik gestoßen. In einem Spitzengespräch mit den katholischen Bischöfen schloss sich die CDU-Spitze der Kritik an und unterstrich zugleich ihre Freude über den Papstbesuch.
Kurz vor seinem Deutschlandbesuch sprach Papst Benedikt XVI. am Samstag um 22.55 Uhr das „DasWort zum Sonntag“ in der ARD. Nach Angaben des Senderverbunds ist es der zweite Auftritt eines Papstes auf dem traditionsreichen Sendeplatz nach Johannes Paul II. am 25. April 1987.
text: epd-west/ör-wj
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