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27.09.2011

PapstBesuch (VII)

Kein Meilenstein der Ökumene

Das Treffen war die Botschaft

Insgesamt ist es ein positives Signal für die Ökumene - mehr aber auch nicht. Papst Benedikt XVI. hatte nach eigenenWorten kein „ökumenisches Gastgeschenk“ dabei, als er am Freitag die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Erfurter Augustinerkloster traf - sozusagen in der Keimzelle der Reformation. Dass das Oberhaupt einer Weltkirche mit weltweit rund 1,2 Millarden Christen der Leitung einer Nationalkirche mit rund 24 Millionen Mitgliedern überhaupt auf Augenhöhe begegnete, kann jedoch schon als Erfolg für die Protestanten gebucht werden.

Schließlich erfüllte der Papst den Protestanten einen Wunsch, den sie schon lange hegen: Er würdigte den Reformator Martin Luther (1483-1546) - freilich an einem Ort, an dem der spätere Reformator noch als katholischer Mönch lebte. Hoffnungen auf eine wirkliche Rehabilitierung Luthers, der durch Papst Leo X. 1521 exkommuniziert wurde, wären ohnehin unrealistisch.

Ökumene-Experten zufolge kann die katholische Kirche eine Exkommunikation nur bei lebenden Personen aufheben. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider sieht dies gelassen: Der Papst habe deutlich gemacht, wie sehr ihn Luthers Glaubensringen persönlich ins Herz treffe, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Und fügte hinzu: Luther habe bereits eine faktische Rehabilition erfahren durch seine theologische Bewertung durch die katholische Kirche.

Die ökumenische Messlatte lag vor dem Kirchengipfel hoch: Ökumenische Streitfragen wie das gemeinsame Abendmahl, das unterschiedliche Amtsverständnis in den Kirchen oder der Umgang mit konfessionsverschiedenen Ehepaaren - prominentestes Beispiel für eine evangelisch-katholisch gemischte Ehe ist das BundesspräsidentenpaarWulff - sollten in Erfurt thematisiert werden. Doch darauf ging das Oberhaupt der katholischen Kirche erst gar nicht ein. Noch kurz vor der Reise hatte Benedikt gewarnt, man dürfe keine Sensationen erwarten.

Ein Blick in die Kirchengeschichte mahnt zur Entschleunigung. Wer mit Ungeduld auf die Gemeinschaft von Katholiken und Evangelischen am "Tisch des Herrn” hofft, darf nicht vergessen: Selbst lutherische und reformierte Christen brauchten rund 400 Jahre, bevor sie gemeinsam Brot und Wein am Altar teilen konnten. Und bevor die als ökumenischer Meilenstein gerühmte Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999 von Vatikan und LutherischemWeltbund 1999 unterzeichnet wurde, hatten ranghohe katholische und evangelische Theologen mehr als 30 Jahre lang um das Dokument gerungen.

Kirchenhistorikern zufolge wurde in den vergangenen rund 50 Jahren in der Ökumene mehr erreicht als in den 450 Jahren seit der Reformation davor. Doch wie sagte der in Erfurt anwesende frühere „Ökumene-Minister“ des Papstes, Kardinal Walter Kasper, einmal: Katholiken und Protestanten seien auf ihrem Weg „an der Steilwand angekommen“.

Präses Schneider wertete es in Erfurt daher als großen Fortschritt, dass die getrennten Kirchen die historische Feindschaft überwunden hätten. Er wirbt jetzt für eine „Ökumene der Gaben“, in der sich die unterschiedlichen geistlichen und spirituellen Traditionen der Kirchen ergänzen sollten. Den Reformator Luther empfiehlt Schneider als „Scharnier“ zwischen den getrennten Kirchen zu begreifen.

Eine nüchterne Bilanz des Treffens zog Pfarrer Martin Bräuer, Catholicaexperte des Konfessionskundlichen Institut der evangelischen Kirche im südhessischen Bensheim. „Ein Meilenstein war es nicht“, sagte Bräuer dem epd. Eine gewisse Enttäuschung sei nach dem Treffen auf evangelischer Seite zu spüren gewesen. Der Papst habe vor allem die geistliche Ökumene betont und das gemeinsame Zeugnis der Christen für die Botschaft des Evangeliums.

Wie geht es weiter? Der EKD-Ratsvorsitzende lud die katholische Kirche erneut dazu ein, sich am Reformationsgedenken 2017 aktiv zu beteiligen. Dies könne weitere Wege zur Aussöhnung eröffnen, sagte Schneider. Jetzt richten sich die Hoffnungen darauf, dass dies bis zum Jahr 2017 - dem 500. Jahrestag der Reformation - gelingt. Dass katholische Christen beim Jubiläum „mitfeiern können, dass muss noch erarbeitet werden“, sagte Schneider.

text: epd-west/stephan cezanne
bild: epd-bild.de

Präses Schneider lobt Gespräch mit Papst

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat das ökumenische Gespräch mit Papst Benedikt XVI. gelobt. „Wir haben wirklich aufeinander gehört“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland am Freitag in Erfurt nach dem Treffen mit Benedikt. Während des Gottesdienstes seien Protestanten und Katholiken „eine Kirche Jesu Christi“ gewesen.

Dennoch müssten sie weiter arbeiten. „Unser Herz brennt nach mehr“, erklärte Schneider, auch wenn beide Kirchen bereits einiges erreicht hätten. „Wir haben ein gutes Fundament an Gemeinsamkeiten.“ Dazu gehöre die Taufe, die die evangelische und die katholische Kirche gegenseitig akzeptierten. Der Papst habe Martin Luther (1483-1546) stark und positiv gewürdigt. „Der Ort war sehr prägend für diese Begegnung“, sagte Schneider. Er hoffe, eines Tages auch bei den gemischt konfessionellen Ehen eine Annäherung beim gemeinsamen Abendmahl zu erreichen. Es möge möglich sein, ein „freieres Leben, ein eucharistisches Leben“ zu ermöglichen.

text: epd-west/ör-wj

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