11.12.2011
Weihnachten
Wer bringt eigentlich die Geschenke?
Die Antwort auf die Frage, wer denn nun die Geschenke zu Weihnachten bringt, kann Eltern in Verlegenheit bringen. Denn die Sachlage ist kompliziert. Der Nikolaus oder der Weihnachtsmann? Das Christkind mit einer Heerschar himmlischer Helfer?
Das Christkind ist, man höre und staune, eine Erfindung von Martin Luther (1483-1546). Der Reformator wollte, weil ihm die Heiligenverehrung ein Graus war, eine Gegenfigur zum Heiligen Nikolaus schaffen. In Erinnerung an den Bischof und Kinderfreund aus Myra brachte nämlich zu Luthers Zeiten der Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke. Luther, der am den Brauch des Schenkens festhalten wollte, ersetzte den Nikolaus durch das Christkind, das die Geschenke am 25. Dezember verteilte.
Wobei das Christkind keineswegs das Jesuskind ist. Wahrscheinlich ist, dass der Name auf Krippenspiele zurückgeht, in denen die „Christkinder“ zur Krippe zogen und dem Christuskind Geschenke brachten. Bis um 1900 herum hielten viele Katholiken am Nikolaustag als Tag des Schenkens fest.
Dann aber wendete sich kurioserweise das Blatt: Die Katholiken übernahmen Luthers Christkind samt dem ebenfalls von ihm erfundenen Weihnachtsbaum, während in evangelischen Familien der „Weihnachtsmann“ Einzug hielt. Nein, der Weihnachtsmann ist nicht von dem US-amerikanischen Konzern erfunden worden, das weltweit die koffeinhaltige Limonade verkauft - auch wenn das immer wieder behauptet wird.
Im Rahmen einer Weihnachtswerbung verpasste der schwedische Maler Haddon Sundblom 1931 dem Weihnachtsmann den Rauschebart und das rotweiße Outfit, das sich weltweit durchsetzte. Vorher trug der Weihnachtsmann mal einen blauen oder braunen Mantel. Sogar in Knickerbockern und breitem Hut wurde er schon gesichtet. Die Figur des Weihnachtsmanns selbst entstand aus der Verschmelzung der Nikolausfigur und des ihn begleitenden Knecht Ruprecht. Der wiederum stammt wie der schwarzen Piet, der Julbock oder der Bullkater aus heidnischer Zeit, wo sie als dunkle Gestalten um die Jahreswende ihr Unwesen trieben.
Der Theologe und Spezialist für Kindergottesdienstarbeit im Rheinland, Pfarrer Rüdiger Maschwitz, plädiert angesichts einer immer stärkeren Kommerzialisierung von Christkind und Weihnachtsmann dafür, den Glauben an das Christus-Kind ins Zentrum von Weihnachten wieder stärker zu betonen: „Zu Weihnachten feiern wir, dass Gott uns Christus geschenkt hat, und deshalb machen wir uns auch gegenseitig eine Freude.“ Eltern könnten ehrlich antworten, „wenn Kinder nach der Wahrheit fragen“, lautet sein Rat. Wo Eltern jedoch spürten, dass ihre Kinder gerne an einen überirdischen Gabenbringer glauben wollen, weil er in unserer Kultur eben allgegenwärtig ist, sollten sie diese Phantasiegestalt „stehenlassen und warten, bis sie sich von selbst auflöst“.
text: epd/ör-wj
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