07.09.2011
11. September (II)
"Es ist wichtig, den Hass loszuwerden"

Pfarrer Sönke Schmidt-Lange (USA)
Leisere Töne bei Gedenkfeiern zum 11. September erwartet - Auslandspfarrer in den USA setzt auf christlich-islamischen Dialog
Zehn Jahre nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center vom 11. September 2001 sind die Menschen in den USA nach Ansicht des deutschen Auslandspfarrers Sönke Schmidt-Lange offener für den christlich-islamischen Dialog. Immer mehr Amerikaner suchten bewusst das Gespräch mit Muslimen und seien bereit, den „American Way of Life“ kritisch zu hinterfragen, sagte Schmidt-Lange, der in Philadelphia lebt, dem epd. Daher erwarte er bei den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Gedenken an den Terroranschlag auch weniger patriotische Töne als in den Jahren zuvor. „Bei vielen Amerikanern spüre ich eine große Verunsicherung.“
Dies gilt nach Beobachtung Schmidt-Langes auch für die Gestaltung der Gedenkfeiern in den USA. „Je näher der Jahrestag rückt, um so weniger wollen viele Amerikaner vom Jubiläum wissen“, sagt der Theologe. Schmidt-Lange war von 1987 bis 2002 Pfarrer der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde in New York und ist heute in der deutschsprachigen Gemeinde in Philadelphia tätig. Auch in seiner Kirche habe es Diskussionen um den Umgang mit dem Gedenken an „9/11“ gegeben, erzählt er. „Der traumatischen Erinnerung an all die Toten und Verletzten würden sich viele lieber nicht aussetzen.“
Auch er selbst habe zahlreiche Bilder vor Augen, wenn er an den 11. September 2001 denke, sagt Schmidt-Lange. Als ihn die Nachricht vom Einsturz der Türme des World Trade Centers damals erreichte, gab der Pfarrer gerade Religionsunterricht in der deutschen Schule White Plains am Rande New Yorks. „Die Schüler waren erschrocken, haben gezittert und verzweifelt nach ihren Eltern gefragt, die ihren Arbeitsplatz im World Trade Center hatten.“
In den ersten Tagen nach dem Unglück habe seine Kirche vor allem praktisch geholfen, erzählt der 72-jährige Theologe. Sie habe Privatunterkünfte für gestrandete deutsche Touristen organisiert, Menschen aus Deutschland bei der Suche nach Angehörigen geholfen, Spenden für die Opfer des Terroranschlags weitergeleitet. „Für viele war unsere Gemeinde die Brücke zwischen Deutschland und den USA“.
Beim offiziellen Gedenkgottesdienst für die zwölf deutschen Opfer in New York hielt der Pfarrer die Predigt - in Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau (SPD). Damals sprach er über die Trauer undWut der Menschen und stellte die Frage „Wo ist Gott?“. Zehn Jahre später will Schmidt-Lange in seinem Gottesdienst in Philadelphia das Thema Vergebung in den Mittelpunkt stellen. „Es ist wichtig, den Hass loszuwerden“, betont er. „Heute geht es darum, einen guten Weg für das Zusammenleben der Religionen zu finden.“
text: sabine damaschke-epd/ör-wj
foto: privat
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