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22.08.2011

SommerGeschichte(n)

Auf jedem Friedhof zuhause

An warmen Sommertagen hat sie ihren Haupteinsatz: die Gießkanne, die ihr Wasser fein dosiert an die Pflanzen abgibt. Was heute in allen erdenklichen Formen, Farben und Materialien zu bekommen ist, hat über Jahrhunderte Tüftler in Atem gehalten. Das Geniale an der simpel wirkenden Gießkanne ist die Tatsache, dass sie sich schnell füllen lässt, dann aber das Wasser nur langsam abgibt. Dass sie den „Regen imitiert“, wie die Gießkanne bereits im 17. Jahrhundert beschrieben wurde.

„Die Vorläufer der Gießkanne waren sogenannte Gießtöpfe“, sagt Wolfgang Hundbiss, Landschaftsplaner aus dem schwäbischen Illerbeuren, der rund 200 Gießkannen gesammelt hat und den Gießtopf beschreibt: „Das waren irdene Töpfe, die mit Löchern versehen waren und den Gießenden vor die große Herausforderung stellte, das Wasser nicht schon auf dem Weg von der Wasserquelle zu den Pflanzen zu verlieren.“

Die Blütezeit der Gießkanne begann, wie Hundbiss erklärt, im 19. Jahrhundert, in dem die Kannen entwickelt und schließlich auch gewerblich hergestellt wurden. Heiß diskutiert wurde dabei die Frage, welche nun die bessere Gießkanne sei: die in England übliche runde mit quer angebrachtem Bügel oder die ovale mit Längsbügel, die sich besser am Körper tragen lassen sollte. Diese Gießkanne war in Frankreich entwickelt worden.

Ein ganz anderes charakteristisches Element der Gießkanne stand beim späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer im Mittelpunkt des Interesses. Er hatte 1940 ein Patent für einen von ihm entwickelten Brausekopf angemeldet. Adenauer störte sich daran, dass der herkömmliche Brausekopf entweder häufig verlegt war oder aber sich auf der Tülle festsetzte und so nicht zu reinigen war. Er konstruierte nun eine Brause, die einen aufklappbaren Deckel hatte, der, wie Adenauer in der Patentanmeldung schrieb, „sowohl das Gießen mit einem ungeteilten Strahl als auch mit Sprühregen ermöglicht und der ferner jederzeit leicht gereinigt werden kann“. Zu sehen ist Adenauers Spezial-Gießkanne, die nie in Serie ging, in der Dauerausstellung der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Bonn.

Welche Geschichten sich hinter den Menschen und ihren Gießkannen verbergen, will das geplante Gießkannenmuseum in Gießen zeigen. Das Museum befindet sich im Aufbau, es entstand aus einem Ideenwettbewerb zur 14. Landesgartenschau in Gießen 2014. Bis zur Eröffnung wollen die Macher mindestens 2.014 Gießkannen sammeln. Das Konzept: Bürger spenden ihre Gießkannen, von der abgelegten Umwelt Marienkäfer-Gießkanne aus der Kinderzeit bis zur Friedhofsgießkanne, und erzählen dabei ihre persönliche Geschichte zu der jeweiligen Kanne.

„Neulich kam ein 80-jähriger Mann und hat eine Metallkanne abgegeben, mit der er gegossen hat, seit er 16 war, und die ihm nun zu schwer geworden ist“, sagt Imgke Günther von der Künstlergruppe „Gärtnerpflichten!“, die das Museum aufbaut.

Seit April sind bereits mehr als 200 Kannen angekommen, davon viele, die einfach als Gießkanne umgenutzt wurden wie Tee- oder Milchkannen. Zu sehen sind sie derzeit nur virtuell. Offenbar beliebt ist eine Froschkönig-Gießkanne, die schon mehrfach in der Sammlung steht. Aber auch Designer-Kannen wurden abgegeben, die zwar gut aussehen, aber als Gießkannen nicht wirklich taugen: Das Loch in der Tülle wurde vergessen.

text: epd-west
foto: r. stenzel

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