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01.08.2011

Islam

Ramadan Mubarak!

Heute beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. Bis zum 29. August sollen Muslime von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr verzichten. Der Monat Ramadan, der neunte im islamischen Mondjahr, ist für Muslime eine wichtige Zeit der Besinnung für Körper und Geist. Den Abschluss der Fastenzeit feiern die Gläubigen traditionell mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr).

Die Präsides und Bischöfe der evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen wenden sich mit einem "Ramadan Mubarak" ("Gesegneter Ramadan") überschriebenen Grußwort an die muslimische Gemeinschaften und Gläubigen im Land. Darin unterstreichen die Kirchenvertreter, dass der Glaube an die besondere Würde des Menschen für Muslime und Christen gleichermaßen Gabe und Aufgabe sei. "Er fordert unseren Einsatz überall dort, wo die Würde des Menschen verletzt wird. Er verlangt unsere Solidarität mit denen, die für die Würde des Menschen eintreten." Vor diesem Background seien die politischen Entwicklungen und Ereignisse in Nordafrika und im Nahen Osten "besonders bewegend" gewesen.

Die politischen Umbrüche zeigten, dass politische Systeme, die das eigene Volk unterdrückten und grundlegende Menschenrechte wie die Religionsfreiheit missachteten, auch in arabischen Staaten keine Zukunft hätten und dass auch in muslimisch geprägten Gesellschaften die Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie lebendig sei. Fazit: „Ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen ist auch in arabischen Ländern möglich, wenn alle Bürger des Landes die gleichen Rechte haben.“ Dafür gelte es, sich in Wort und Tat einzusetzen.

Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung wünscht Muslimen einen gesegneten Ramadan. "Ich hoffe sehr, dass Sie diesen für Sie so heiligen Monat an der Seite Ihrer Liebsten und vor allem in Gesundheit verbringen", erklärte Gesundheitsministerin Barbara Steffens am Freitag in Düsseldorf. Zu Beginn des diesjährigen Fastenmonats verwies Integrationsminister Guntram Schneider auch auf Aspekte der Integration. "Der Islam ist Teil unserer Gesellschaft, und Ramadan gehört mittlerweile zu den religiösen Festzeiten, die in unserem Kalender ihren festen Platz haben", erklärte er. Knapp die Hälfte der Muslime in NRW seien deutsche Staatsangehörige. Schneider appellierte an die nicht-muslimische Mehrheitsgesellschaft, in der Fastenzeit Rücksicht auf Muslime zu nehmen und die Chance zu nutzen, sich gegenseitig Respekt zu erweisen. Damit könnten deutliche Zeichen gegen "geistige Brandstifter und Vereinfacher, die undifferenziert Generalvorbehalte gegen den Islam und die Muslime schüren" gesetzt werden.

foto:epd
text:epd-west/ekir-pressestelle/ör-mg

Im Wortlaut:
Grußwort
der evangelischen Landeskirchen und der katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen an die Verantwortlichen in den muslimischen Gemeinschaften und die muslimischen Gläubigen

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe muslimische Gläubige!
Zum Fastenmonat Ramadan und zu den bevorstehenden Festtagen übermitteln Ihnen unsere herzlichen Grüße. lm Namen der katholischen und evangelischen Christen in unseren Bistümern und Landeskirchen wünschen wir Ihnen, Ihren Familien und Gemeinden für diese besondere Zeit die erhoffte Vertiefung des Glaubens, die mit der inneren Stärkung der Gemeinschaft und der Hinwendung zu den Mitmenschen verbunden ist.
Zu den Gemeinsamkeiten, die Christen und Muslime verbinden, gehört der Glaube daran, dass der eine Gott der Schöpfer der Welt und der Ursprung alles Lebendig ist. Innerhalb der Schöpfung kommt dem Menschen eine besondere Würde zu, weil Gott ihm die Verantwortung für die Gestaltung der Welt überträgt. Der Koran bringt dies dadurch zum Ausdruck, dass er den Menschen als Statthalter Gottes bezeichnet. Die Bibel spricht davon, dass Gott den Menschen als sein Abbild erschaffen hat.
Der Glaube an die besondere Würde des Menschen ist für Muslime und Christen Gabe und Aufgabe zugleich. Er ist Grund zur Dankbarkeit gegenüber Gott. Er fordert unseren Einsatz überall dort, wo die Würde des Menschen verletzt wird. Er verlangt unsere Solidarität mit denen, die für die Würde des Menschen eintreten.
Auf diesem Hintergrund haben uns in den letzten Monaten die Ereignisse in Nordafrika und im Nahen Osten besonders bewegt. Zunächst in Tunesien und dann in Ägypten haben friedliche Demonstranten Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit gefordert. Sie haben Regierungen gestürzt, die dem eigenen Volk elementare Rechte vorenthalten und sich selbst bereichert haben. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo haben Muslime und Christen Seite an Seite gegen ein diktatorisches Regime protestiert und Demokratie gefordert. Dabei wurden muslimische und christliche Gebete gesprochen. Als die Polizei die öffentliche Ordnung nicht mehr garantieren konnte, haben Christen und Muslime gemeinsam ihre Häuser und Familien geschützt.
Neben diesen Hoffnungszeichen gab und gibt es jedoch auch Anlass zu Trauer zur Sorge. In Ägypten mussten viele Demonstranten ihren mutigen Einsatz für einen demokratischen Rechtsstaat mit dem Leben bezahlen. Nach den jüngsten gewaltsamen Auseinandersetzungen befürchten die koptischen Christen, dass sich politische Kräfte durchsetzen, die einen islamischen Staat fordern, in dem die Christen keine vollen Bürgerrechte haben. In Libyen fordert der gewaltsame Kampf gegen einen Diktator täglich Tote und Verletzte. In Syrien und anderen Ländern gehen die Regierungen mit brutaler Gewalt gegen diejenigen vor, die sich für ein Leben in Freiheit und Würde einsetzen.
Die Umbrüche in Tunesien und Ägypten zeigen, dass politische Systeme, die das eigene Volk unterdrücken und grundlegende Menschenrechte wie die Religionsfreiheit missachten, auch in den arabischen Staaten keine Zukunft haben. Sie zeigen, auch in muslimisch geprägten Gesellschaften die Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie lebendig ist. Sie zeigen, dass ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen auch in arabischen Ländern möglich ist, wenn alle Bürger des Landes die gleichen Rechte haben. Dafür gilt es, sich einzusetzen in Wort und Tat.
Die zahlreichen Begegnungen zwischen Christen und Muslimen, zu denen es im Ramadan durch die Einladungen zum Fastenbrechen kommen wird, bieten eine Gelegenheit, diesen Grundsatz hervorzuheben: Allen Menschen in allen Ländern kommt die gleiche Würde zu, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer Religon. Deshalb darf es keine rechtlichen Benachteiligungen aufgrund des Glaubens keine Einteilung in Bürger erster und zweiter Klasse geben.
Die Begegnungen von Christen und Muslimen im Ramadan bieten darüber hinaus eine gute Gelegenheit, für die vielfältigen Formen des Miteinanders zu danken, die sich im letzten Jahr bei uns entwickelt haben. So haben christliche, muslimische und zum Teil jüdische Gemeinden in den vergangenen Monaten an vielen Orten gemeinsam eine Nacht der offenen Gotteshäuser gestaltet und daran erinnert, dass wir trotz aller Unterschiede im Gottesverständnis zu dem einen Gott beten.
Auf dieser Grundlage bieten die Begegnungen von Muslimen und Christen im Ramadan auch eine gute Gelegenheit, in einem Moment der Stille für Frieden und Gerechtigkeit zu beten.
So danken wir Ihnen schon heute für alle Gesten der Gastfreundschaft während des Ramadan, sprechen Ihnen unsere besten Wünsche aus und erbitten für Sie und Ihre Gemeinden, für unser Land und besonders für die Menschen in den Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens den Segen Gottes.

Erzbischof Hans-Josef Becker, Erzbistum Paderborn    
Präses Dr. h.c. Alfred Buß, Evangelische Kirche von Westfalen
Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann, Lippische Landeskirche
Bischof Dr. Felix Genn, Bistum Münster
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, Erzbistum Köln    
Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, Bistum Aachen
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Bistum Essen
Präses Nikolaus Schneider, Evangelische Kirche im Rheinland

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