24.08.2011
Soziales
Arme Alte - alte Arme?
Sozialexpertin sieht Anzeichen für steigende Altersarmut
Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, sieht in der zunehmenden Zahl arbeitender Rentner ein Anzeichen für steigende Altersarmut. „Ich fürchte, dass der Großteil der über 65-Jährigen, die noch arbeiten, dieses tun, weil sie das Geld dringend brauchen, um über die Runden zu kommen“, sagte Mascher im Interview der „Neuen Presse“ Hannover (Dienstagsausgabe).
Nach aktuellen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums müssen immer mehr Rentner arbeiten oder die staatliche Grundsicherung beantragen. Im Jahr 2010 gingen demnach rund 660.000 Menschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren einer geringfügigen Beschäftigung oder einem Minijob nach. Im Jahr 2000 waren es nur 416.000. Mascher forderte Mindestlöhne, um eine höhere Rente zu sichern. „Hungerlöhne führen zu Hungerrenten.“
Besonders Frauen hätten im Alter nicht genügend Geld zum Leben, erläuterte die Sozialexpertin. Sie arbeiteten oft nur in Teilzeit und hätten dementsprechend niedrigere Renten. Zudem schämten sie sich, die Grundsicherung, eine Art Sozialhilfe für Rentner, zu beantragen. Der VdK in Bonn ist ein Interessenverband, der sich für Rentner, ältere Arbeitnehmer, Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke, Pflegebedürftige und deren Angehörige einsetzt.
Studie: Weiter schlechte Einstellungschancen für ältere Arbeitslose
DGB fordert Aus- und Weiterbildungsinitiative
Die Chancen älterer Arbeitsloser auf einen neuen Job sind einer neuen Studie zufolge weiterhin schlecht. Der Anteil neu eingestellter Mitarbeiter über 50 Jahre an allen Einstellungen habe im Jahr 2009 nur 13 Prozent betragen, heißt es im aktuellen „Altersübergangsreport“, den das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen am Mittwoch vorstellte. Bei der Gesamtzahl der Beschäftigten liegt demnach der Anteil Älterer an den Beschäftigten bei 26 Prozent, also doppelt so hoch.
Zwar seien immer mehr ältere Arbeitnehmer länger erwerbstätig, schreiben die Autoren der Studie. Die Beschäftigten blieben dabei jedoch offenbar in „ihrem“ Betrieb auf den vorhandenen Arbeitsplätzen. Bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter würden Ältere nach wie vor benachteiligt. „Anscheinend nehmen die meisten Betriebe die Alterung ihrer Belegschaft passiv hin, statt sich durch Arbeitsplatzgestaltung und Weiterbildung aktiv auf sie einzustellen“, kommentierte IAQ-Mitarbeiter Martin Brussig.
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach nannte die Studie einen weiteren Beleg, „dass ältere Arbeitslose noch immer extrem schlechte Chancen am Arbeitsmarkt haben“. Es komme darauf an, die Beschäftigten mit altersgerechten Bedingungen möglichst bis zur Altersrente gesund im Betrieb zu halten, sagte die Gewerkschafterin der Tageszeitung „Die Welt“ (Mittwochsausgabe). Auch sei eine Aus- und Weiterbildungsinitiative für Ältere notwendig.
Auch vom Aufschwung profitieren ältere Arbeitslose der Studie zufolge nicht. Bis März dieses Jahres hätten zwar auch sie es im Vergleich zum Vorjahr leichter gehabt, eine neue Stelle zu finden, heißt es in der Untersuchung. Seitdem sei jedoch eine Trendwende zu verzeichnen. Die Übergänge von über 50-jährigen Arbeitslosen in einen neuen Job seien seitdem in jedem Monat um acht bis 17 Prozent niedriger gewesen als im Vorjahr.
Aktuell steigt die Arbeitslosigkeit der Älteren über 55 laut Studie mit plus 1,5 Prozent Ende Juli bereits wieder an. Die allgemeine Arbeitslosigkeit gehe dagegen mit einem Minus von 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr noch zurück. Für die Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und des Forschungsnetzwerks Alterssicherung werteten die Wissenschaftler Daten der Bundesagentur für Arbeit aus.
text: epd-west
foto: diakonie.de
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