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09.08.2011

50 Jahre Mauer (I)

"Barriere in der Seele"

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat zum 50. Jahrestag des Mauerbaus besonders junge Menschen zur Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen aufgerufen. In einer am 7. August veröffentlichten Videobotschaft sagte Platzeck, es sei eine neue Generation herangewachsen, die diesen Teil der deutschen Geschichte nicht mehr aus eigenem Erleben kenne. Er begrüße es daher, wenn sich Schulen mit dem Thema beschäftigten.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, forderte von den Deutschen ein stärkeres Bekenntnis zur eigenen Biografie. 20 Jahre nach dem Mauerfall müsse es möglich sein, eine reine Rechtfertigungshaltung zu überwinden, sagte Jahn mit Blick auf die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit am Samstag im Deutschlandradio Kultur. »Wir haben alle mit unserer Biografie dazu beigetragen, dass diese Diktatur so lange existieren konnte«, sagte der ehemalige DDR-Bürgerrechtler. Er selbst etwa habe das DDR-Regime gestützt, weil er in der Freien Deutschen Jugend und im Grundwehrdienst bei der Bereitschaftspolizei gewesen sei. Der Bundesbeauftragte verteidigte den Versuch, Ex-Stasi-Mitarbeiter aus seiner Behörde zu entfernen. Immer wieder hätten die Opferverbände erklärt, dass es für sie eine Zumutung sei, dass ehemalige Stasi-Mitarbeiter dort arbeiteten.

Der Berliner Historiker Hubertus Knabe warf den westdeutschen Alt-68ern vor, sich der Auseinandersetzung mit der Rolle des DDR-Regimes in der Studentenbewegung zu verweigern. Sie seien unfähig zum kritischen Umgang mit ihrer Biografie, schreibt Knabe in der »Bild am Sonntag«. Die 68er-Bewegung sei »das fruchtbarste Reservoir für Stasi-Zuträger im Westen« gewesen. Allein in der West-Berliner APO (»Außerparlamentarische Opposition« der revoltierenden Studenten) habe die DDR-Spionage damals mehr als zwei Dutzend inoffizielle Mitarbeiter und Kontaktpersonen geführt, erklärte der Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Auch sei - trotz der Vernichtung vieler Stasi-Akten - hinreichend belegt, wie SED und Stasi die Studentenproteste geschürt und instrumentalisiert hätten. Heute sei jedoch kaum einer der Beteiligten bereit, offen darüber zu sprechen. Viele 68er litten unter »Amnesie«.

Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge forderte unterdessen eine stärkere Anerkennung der Leistungen von Ostdeutschen. »Die historische Leistung der Menschen in den neuen Bundesländern wird im Westen noch zu wenig gewürdigt«, sagte Dröge dem epd. Es sei viel von der »Mauer in den Köpfen« geredet worden. »Es gibt aber auch eine Barriere in der Seele«, erklärte der Bischof. Wer in der DDR aufgewachsen sei, fühle bis heute anders als ein Westler. Dröge erinnerte auch an die Einschnitte durch den Mauerbau für das kirchliche Leben in Berlin: »Die Mauer ging mitten durch unsere Kirche hindurch.« Kirchengemeinden seien geteilt worden, die Bischöfe Otto Dibelius und später Kurt Scharf hätten nicht mehr in den Ostteil Berlins reisen dürfen, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: »In Ost-Berlin wie in der ganzen DDR waren Mitglieder der Kirche staatlichen Repressionen ausgesetzt.«

Das DDR-Regime hatte das Grenzbefestigungssystem am 13. August 1961 errichtet, um den Flüchtlingsstrom nach Westdeutschland zu stoppen. An der Berliner Mauer kamen zwischen 1961 und 1989 mindestens 136 Menschen zu Tode, darunter 98 Flüchtlinge.

text: epd-west/ör-wj
foto: bundesregierung

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