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23.08.2011

Abschied

Eine Herrenbuticke in Wuppertal

Vicco von Bülow alias Loriot (1923-2011)

Er lehrte mich das Lachen, mit wenigen Sendungen, die nur seinen Künstlernamen trugen, sonst nichts: Loriot.

Er war der erste "Comedian" des deutschen Fernsehens und bis heute der Beste: Seine Steinlaus und der Heinzelmann, der bläst und saugt, wo Mutti sonst nur saugen kann, lehrten die Deutschen in den 70er Jahren das intelligente Lachen und verbündeten die 68er mit der Generation Golf vor der Glotze.

Vicco von Bülow und seine kongeniale Partnerin Evelyn Hamann erreichten durch nur wenige Sendungen Kultstatus. Und wenn sich heute zufällig beim Essen eine Nudel ins Gesicht verirrt, brüllen alle gleich los. Loriot wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem erhielt er im Jahr 2009 den "Lola-Ehrenpreis" der Deutschen Filmakademie. "Eine gewisse Häufigkeit ergibt sich wohl aus der Tatsache, dass ich nicht mehr der jüngste bin. Die Zeit zur Überreichung von Preisen wird knapp", sagte der damals 85-Jährige über die hohe Zahl an Ehrungen, die ihm zuteil wurden.

Manche nannten den aus Brandenburg an der Havel stammenden Offizierssohn, dessen Vorfahren am Hof von Friedrich dem Großen verkehrten, auch den "Karl Valentin des Cartoons und der Fernsehunterhaltung". Seinen Namen gab sich Loriot nach dem französischen Wort für das Wappentier seiner Familie, dem Pirol.

Vor ein paar Jahren zog sich Loriot ganz bewusst aus der Öffentlichkeit zurück. "Wenn ich alt und klapprig bin und keinen Gedanken mehr im Kopf habe und nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, dann höre ich auf", sagte er auf die Frage nach seinem Alter und das Aufhören im Beruf. Nur über ein Thema, da mochte der gläubige von Bülow keine Witze machen. "Der Tod, auch der eigene, ist für mich eine ernste Sache."

Gestern starb Vicco von Bülow so bescheiden, wie er gelebt hat: An Altersschwäche, wie die Familie mitteilte. Irgendwie beruhigend, daß es das noch gibt - und danke für dieses großartige Erbe, an dem sich alle "Volksbelustiger" bis heute messen lassen müssen.

Hollari die dudel dö! Mögen Sie in Frieden ruhen, Loriot, ohne ein Klavier aber mit viel Lametta!

text: werner jacken

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