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04.11.2011

EKD-Synode II

"Was hindert's, dass ich Christ werde?"

Es ist eines der Schlüsselthemen von Kirche, dem sich die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei ihrer diesjährigen Tagung vom 6. bis 9. November in Magdeburg zuwendet. „Was hindert’s, dass ich Christ werde?“ lautet das Bibelwort unter dem die 126 Kirchenparlamentarier das Schwerpunktthema Mission beraten wollen. Seit der viel gelobten Leipziger Missionssynode 1999, auf der sich die Protestanten unter dem Motto „Reden von Gott in der Welt“ ihres missionarischen Auftrages vergewisserten, gewinnt das Thema Mission in der evangelischen Kirche an Gewicht.

Kirchensoziologische Studien wurden in Auftrag gegeben. Mit dem Reformprozess „Kirche im Aufbruch“ entstand an den Standorten Dortmund, Greifswald und Stuttgart ein „Zentrum Mission in der Region“. Das neue Projekt „Erwachsen Glauben“ richtet sich besonders an Kirchenferne. Im Rahmen der Luther-Dekade geht am Reformationstag das „Jahr der Taufe“ zu Ende, das an zahlreichen Orten Anstoß zu innovativen missionarischen Aktivitäten gab.

„Es braucht eine Antwort des Glaubens, die auf die tiefen Verlusterfahrungen und Ängste zu antworten weiß“, skizzierte der EKD-Ratsvorsitzende und rheinische Präses Nikolaus Schneider die zentrale Aufgabe von Mission. Schneider widersprach zugleich der Sorge, dass eine missionarische Kirche sich aus der Weltverantwortung zurückzieht: „Ein missionarische Kirche scheut nicht davor zurück, sich für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zu engagieren, und sie hat einen langen Atem.“

Traditionsgemäß wird der Ratsvorsitzende zum Synodenauftakt in seinem Ratsbericht einen Rück- und Ausblick auf die gesellschaftspolitischen Herausforderungen und kirchenpolitischen Entwicklungen geben. Dabei dürfte die Nachlese zur ökumenischen Begegnung mit Papst Benedikt XVI. im September im Erfurter Augustinerkloster eine prominente Rolle spielen. Bei dem Treffen der EKD-Delegation mit Benedikt hatte Schneider im Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 dafür geworben, die Erinnerungen an die gegenseitigen Verletzungen aus der Reformationszeit und der darauf folgenden Kirchengeschichte zu heilen und nach Wegen der Aussöhnung zu suchen.

Bei der Vollversammlung der katholischen Bischofe machte Erzbischof Robert Zollitsch Anfang Oktober klar, dass es nun Aufgabe der beiden Kirchen in Deutschland sei, in den regelmäßigen Kontaktgesprächen konkrete ökumenische Ziele zu vereinbaren, insbesondere mit Blick auf den 500. Jahrestag der Reformation 2017. „Der Papst hat sich in Erfurt auf den Reformator Luther zubewegt und ihn anerkannt“, sagte Zollitsch. Für die evangelische Kirche dürfte es bei diesen Gesprächen ein Anliegen sein, eine Balance zwischen konfessioneller Identitätsvergewisserung und ökumenischer Offenheit zu finden.

Das näher rückende Reformationsjubiläum schiebt sich immer mehr als „Megathema“ auf die Tagesordnung der EKD. Für erste Planungen wurden Umrisse bereits abgesteckt. Mit der Berufung der früheren hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann zur Lutherbotschafterin wurde dabei ein Akzent gesetzt. Die frühere EKD-Ratsvorsitzende soll ab Frühjahr 2012 mit ihrer Popularität die Menschen auf das Großereignis neugierig machen und internationale Kontakte knüpfen.

Der Generationswechsel in der evangelischen Kirche ging 2011 weiter: In der wichtigen bayerischen Landeskirche folgt auf Johannes Friedrich im Bischofsamt mit Heinrich Bedford-Strohm ein sozialethisch profilierter Theologieprofessor, der dem ehemaligen Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber nahesteht. Neue Bischöfin im nordelbischen Sprengel Hamburg und Lübeck wird Mitte November Kirsten Fehrs. Die Hamburger Pröpstin und Hauptpastorin von St. Jacobi folgt auf Maria Jepsen, die im vergangenen Jahr zurückgetreten war.

Auch in der Evangelische Kirche von Westfalen übernimmt aller Voraussicht nach ein Frau das Amt des Leitenden Geistlichen. Für die Nachfolge von Präses Alfred Buß, der im März 2012 in Ruhestand geht, kandidieren die Siegener Superintendentin Annette Kurschus und die leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen, Angelika Weigt-Blätgen. Die Wahl steht für November an.

text: epd/rainer clos/ör-wj

Das Stichwort: Mission
Unter Mission, abgeleitet vom lateinischen Wort „missio“ für Sendung, wird vor allem die Verbreitung von religiösen Lehren verstanden. Die christlichen Kirchen berufen sich dabei auf den Missionsauftrag des Evangeliums: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Matthäus 28, 16-20). Auch die Anfang November in Magdeburg stattfindende EKD-Synode beschäftigt sich mit dem Thema Mission.

Bereits die urchristliche Gemeinde und der Apostel Paulus begannen nach Jesu Tod mit der sogenannten Heidenmission. Einer der bedeutendsten Missionare der frühen Kirche war der aus England stammende Bonifatius (um 675-754), der „Apostel der Deutschen“. Die Ausbreitung des Christentums nördlich der Alpen geht allerdings nicht allein auf ihn zurück.

Mit dem Kolonialismus der Neuzeit weiteten sich die Missionsgebiete erheblich aus. Im 19. Jahrhundert erreichte die klassisch-historische Mission ihre größte Expansion. In der Folge von Pietismus und Erweckungsbewegung entstanden seit dem 19. Jahrhundert viele Missionsgesellschaften und Orden, die in Afrika und Asien zahlenmäßig erfolgreich waren. Heute hat sich der Schwerpunkt des Christentums verlagert. Die meisten Christen leben auf der südlichen Erdhalbkugel in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Umstritten ist heute die Beziehung von einigen Missionaren zu den damaligen Kolonialherren. Historiker kritisieren zudem, dass durch die christliche Mission nicht selten fremde Kulturen zerstört wurden. Vertreter des Weltkirchenrates hatten frühere Fehler bei der Mission eingeräumt. Das Evangelium sei nicht immer als das befreiende, versöhnende und heilende Wort Gottes in der Welt verbreitet worden, hieß es.

text: epd/ör-wj

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