20.09.2011
PapstBesuch (III)
"...nicht auf Krawall gebürstet"
Kurz zitiert:
„Ich bin augenblicklich nicht auf Krawall gebürstet.“
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und rheinische Präses, Nikolaus Schneider, am Donnerstagabend bei der evangelischen Talkshow „Tacheles“. Er bezog sich auf die ökumenischen Gespräche von EKD-Vertretern mit Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch vom 22. bis zum 25. September.
Religionssoziologe erwartet keine großen Proteste gegen Papstbesuch
Der Religionssoziologe Detlef Pollack rechnet nicht mit großen Protesten gegen den Papstbesuch in Deutschland. Die Gruppe der Papst-Gegner sei klein und unterschiedlich zusammengesetzt, sagte der Experte des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster am Donnerstag. Die Kritiker verfolgten unterschiedliche Interessen und könnten keine breiten Bevölkerungskreise mobilisieren. „Es wird allenfalls kleinere moderate Proteste geben“, sagte Pollack.
Die Ankündigung von Bundestagsabgeordneten, der Papstrede im Parlament fernzubleiben, hat den Religionssoziologen nicht überrascht: Befürworter einer Trennung von Kirche und Staat gebe es in der Bundesrepublik seit den 60er Jahren vor allem in der SPD und der FDP. Diese laizistische Strömung in der Politik sei aber schwach. Allerdings gebe es seit einigen Jahren einen schwachen, aber merklichen Anstieg kirchenkritischer Gruppen. An dem Papstauftritt im Bundestag am 22. September gibt es Kritik aus den Reihen der SPD, der Grünen und der Linkspartei.
Auch von Katholiken werde Kritik nur verhalten formuliert, obwohl viele Kirchenmitglieder die Haltung des Papstes zu Pflichtzölibat, Sexualmoral, Homo-Ehe, Gleichberechtigung von Frauen, Ökumene und Staat-Kirche-Verhältnis ablehnten, sagte Pollack. „Katholiken wissen schon jetzt, dass alles beim Alten bleiben wird – auch bei der Ablehnung des gemeinsamen Abendmahls von Katholiken und Protestanten“, ergänzte der Forscher.
Ingesamt wird der Papstbesuch nach Einschätzung des Wissenschaftlers der katholischen Kirche in Deutschland Nutzen bringen. Das Bild von Benedikt XVI. sei inzwischen so schlecht, dass er mit seinem Besuch nur gewinnen und sein Image aufbessern könne. Die anfängliche Papst-Begeisterung nach der Amtseinführung 2005 sei verflogen. „Die Menschen werden ihm einen freundlichen, aber eher zurückhaltenden Empfang bereiten“, sagte Pollack.
Der Religionssoziologe hält es für unwahrscheinlich, dass der viertägige Papstbesuch in der nächstenWoche viele Menschen zum katholischen Glauben zurückbringen werde. Nach solchen Großereignissen trete erfahrungsgemäß kaum jemand wieder in die Kirche ein. Solche Events dienten vor allem denjenigen Katholiken als Bestätigung, die bereits eng mit ihrer Kirche verbunden sind.
text: epd-west/ör-wj
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