01.12.2011
JVA
"Pfandkollekte" fürs Kinderhospiz

Fröhliche Scheckübergabe im Knast: Pfarrer Stefan Richert, Zita Höschen, Klaus Saalmann (v.l.) (Foto zur Vergrößerung anklicken)
Das Ansehen von Inhaftierten ist von Außenstehenden meist klar umrissen. Sie sind Verbrecher, schaden der Gesellschaft, sind skrupellos und die Wurzel allen Übels. Für einen Gefangenen bietet sich nur selten die Möglichkeit zu zeigen, dass er diesem eindimensionalem Bild nur bedingt oder gar nicht entspricht.
Eine Gelegenheit dazu ist die Pfandflaschenkollekte der Seelsorger: Aufgrund der Haft haben die meisten Gefangenen sowieso nicht viel was sie geben können. Trotzdem gibt es viele, die ihr Leergut spenden. Denn die gesammelten Flaschen zwischen den Haupteinkäufen könnten durchaus ein Päckchen Tabak oder ein Pfund Kaffee ergeben, worauf die Spender damit verzichten.
Mit Hilfe der Hausarbeiter und den Abteilungsbediensteten werden die Pfandspenden regelmäßig eingesammelt. Im letzten Jahr kamen so etwa 4000 Flaschen zusammen, ein Pfandgut von rund 1000 Euro. Diese Summe war das angestrebte Ziel für das Kinderhospiz Burgholz.
Das Kinderhospiz soll eine Einrichtung im grünen Burgholz von Wuppertal werden, auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Kinderheims Zur Kaisereiche. Eltern von Kindern mit schwersten und lebensbegrenzenden Erkrankungen sind mit der Pflege oft über Monate und Jahre rund um die Uhr beschäftigt. Sehr häufig erreichen sie dabei die Grenzen der körperlichen und seelischen Belastbarkeit. Geschwister kommen dabei oft zu kurz und sind überfordert. Urlaub oder Erholung sind kaum möglich. Richtig schwierig wird es, wenn die Eltern selbst erkranken, die Pflegekraft zur Kur oder in den Urlaub geht oder eine andere Krise entsteht.
Für diese Fälle ist dann das Kinderhospiz gedacht. In diesem Haus können die Kinder mit ihren Eltern und Geschwistern in einer familiären Atmosphäre Entlastung und Unterstützung finden. Die Kinder werden versorgt, alle können die Krankheit mal vergessen und entspannen. Dafür wird es neben ehrenamtlichen Mitarbeitern auch Pflegefachkräfte und medizinische Gerätschaften geben müssen.
Soweit ist die Einrichtung aber noch lange nicht. Das Haus muss erst noch umgebaut, renoviert und eingerichtet werden. Die Kosten dafür werden etwa 4,5 Millionen Euro betragen. Die eigens gegründete Kinderhospiz-Stiftung Bergisches Land hat bis jetzt 2,5 Millionen Euro zusammen. Bei einer Summe von 3,5 Millionen Euro hofft man im Sommer oder Herbst 2012 mit dem Bauen anfangen zu können. Unterstützt wird die Organisation von der Bethe-Stiftung, dem Caritasverband Wuppertal/Solingen und der Diakonie Wuppertal.
Das komplette Vorhaben muss vollständig aus Spenden finanziert werden, denn es gibt dafür keine öffentlichen Gelder oder Fördermittel, weder vom Staat noch vom Land oder der Kommune. Auch die laufenden Kosten werden zum größten Teil aus Spenden getragen werden müssen. Belegt ein Kind einen der zwölf Plätze als Pflegestelle, werden die Kosten bis zu 28 Tagen im Jahr von der Krankenkasse übernommen. Für die Eltern oder Geschwister die dann im Haus mitwohnen möchten, müssen ebenfalls Spendengelder benutzt werden.
Am letzten Novembersonntag war es dann soweit, im Rahmen des Gottesdienstes wurde die Spende übergeben. Als Empfänger kamen Frau Zita Höschen von der Kinderhospiz-Stiftung und Herr Klaus Saalmann vom Caritasverband. Herr Richert bedankte sich bei allen, die ihre Pfandflaschen gespendet haben, sowie bei allen, die beim Einsammeln geholfen haben. Er dankte allen Hausarbeitern, die mit großen Säcken durch die Flure gingen, sowie den Bediensteten, die immer mit Durchsagen ans Sammeln erinnerten. Ebenso war er für die Hilfe vom Kaufmann Knefelkamp dankbar, denn dieser hat die ganzen vollen Säcke entgegengenommen und den Pfand eingelöst. Vorher, so erzählte Herr Richert, hatte er mit seiner Frau den Pfandautomat eines Supermarkts blockiert.
Ein großer symbolischer 1000-Euro-Scheck wurde von Gefangenen gemalt und von Herrn Richert mit Freude überreicht. Es war aber nicht der einzige. Ein Wohltäter, der nicht genannt werden möchte, hatte davon gehört und spendete noch mal die gleiche Summe. Frau Höschen war sichtlich begeistert darüber und bedankte sich sehr. Sie erzählte anschließend über die Einrichtung und deren Notwendigkeit. Es gibt nur 10 Kinderhospize in ganz Deutschland und in der Bergischen Region wurde bisher ein solches Haus vermisst. Dann hatte Frau Höschen noch eine Überraschung. Die Spendenaktion fällt mit einer Unterstützungsaktion der Bethe-Stiftung zusammen. Alle Spenden, die von Oktober 2011 bis Januar 2012 eingehen, werden von der Bethe-Stiftung verdoppelt. Am Ende war es somit eine Summe von runden 4000 Euro.
Die Seelsorger sammeln weiter Pfandflaschen. Ein neues Projekt haben sie zwar noch nicht gefunden, aber es soll auf jeden Fall in der Region sein, am Besten direkt in Vohwinkel.
text: richert/ör-wj
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