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05.09.2011

SprIntpool

Brückenbauer zwischen den Kulturen

Die Wuppertaler "SprInter" bei einem Gespräch mit Oberbürgermeister Peter Jung

In NRW kommen immer mehr Sprach- und Integrationsmittler zum Einsatz

Sie hörte die deutsche Sprache zuerst aus dem Mund von Beamten und Sachbearbeitern. Und da klang sie so hart und unfreundlich, dass Kirija Kämpf am liebsten wieder in ihre vom Bürgerkrieg gezeichnete Heimat Sri Lanka zurückgeflogen wäre. Aber die Tamilin blieb, lernte die Sprache, machte eine Ausbildung und heiratete einen deutschen Mann. Heute sitzt sie den Beamten wieder gegenüber. Aber nicht mehr als Flüchtling, sondern als ausgebildete Sprach- und Integrationsmittlerin.

„Ich verstehe beide Seiten, die Behörden und die Migranten“, betont sie, „und das nicht nur sprachlich“. Die 47-jährige Tamilin begreift sich als Brückenbauerin zwischen den Kulturen. Denn bei den Gesprächen, die sie in Sozialbehören, Kliniken, Beratungsstellen oder auch Schulen dolmetscht, muss sie meist auch über kulturelle Unterschiede aufklären. Das gehört zu ihrem Job als sogenannte „Sprach- und Integrationsmittlerin“ bei „SprIntpool“, einem Dolmetscherdienst der Wuppertaler Diakonie. Kirija Kämpf ist eine von zurzeit 21 Mitarbeitern, die rund 30 verschiedene Sprachen und Dialekte in Wort und Schrift übersetzen - von Arabisch, Chinesisch und Kurdisch bis hin zu Tamil. „Einen so großen Pool mit angestellten professionellen interkulturellen Dolmetschern gibt es in NRW noch nirgendwo“, sagt Heike Timmen, Leiterin des „SprIntpool“-Projekts. Die Einsätze der Mitarbeiter gehen daher weit über die Stadtgrenzen Wuppertals hinaus.

Fast alle haben ihre Ausbildung bei der Wuppertaler Diakonie gemacht, die seit 2002 vor allem Flüchtlinge und Asylbewerber zu Sprach- und Integrationsmittler ausgebildet hat. Ein deutschlandweit einmaliges Projekt, das sich nach europäischen Qualitätsstandards richtet. Denn in anderen EU-Staaten gibt es den Beruf des Sprach- und Integrationsmittlers schon seit mindestens zehn Jahren. „In Deutschland aber kämpfen wir noch immer für die staatliche Anerkennung dieses Berufs“, kritisiert Heike Timmen.

Mittlerweile gibt es auch in anderen deutschen Städten wie Berlin, Bremen oder Aachen Sprach- und Integrationsmittler. Acht weitere Standorte haben sich bereits dem Wuppertaler Modell angeschlossen, so die Projektleiterin.

Die Finanzierung der SprInt-Einsätze erfolge noch nicht nach einheitlichen Standards, bedauert Heike Timmen. Im Gegensatz etwa zu den Niederlanden oder der Schweiz. Dort übernimmt der Staat die Kosten und überregionale Zentren koordinieren die Einsätze der Sprach- und Integrationsmittler. Das wünscht sich Timmen auch für Deutschland. Hier nämlich greifen viele Kliniken und Behörden einfach auf Verwandte der Migranten oder Putzkräfte aus dem gleichen Herkunftsland zurück, wenn es Verständigungsschwierigkeiten gibt. Auch Kirija Kämpf hat schon lange, bevor sie ihre Ausbildung zur Sprachund Integrationsmittlerin bei der Diakonie machte, für ihre Landsleute aus Sri Lanka gedolmetscht.

„Dabei habe ich oft nicht genau übersetzt, was gesagt wurde, um meine Landsleute in einem besseren Licht erscheinen zu lassen“, gibt sie zu. „Als professionelle Dolmetscherin muss ich unparteilich sein, aber auch die kulturellen Unterschiede im Blick haben.“ Etwa, wenn Tamilen ihre Wohnung oder ihren Job nicht schriftlich kündigen, weil sie diese Formalitäten aus ihrer Heimat nicht kennen. Oder wenn Tamilinnen im Frauenhaus über die Gewalt ihrer Ehemänner schweigen – aus Scham, aber auch, weil Familienangelegenheiten in Sri Lanka absolute Privatsache sind.

„Beim Dolmetschen geht es nie allein um die Sprache“, betont Servet Ciftehan. Der 31-jährige Kurde kam vor 14 Jahren nach Deutschland, arbeitete lange als Journalist und ist heute aus Überzeugung Sprach- und Integrationsmittler. Schon häufig hat er in Schulen gesessen und dafür gesorgt, dass sich türkischsprachige Eltern und deutsche Lehrer richtig verstehen. „Das Verständnis von Erziehung ist ganz anders, die Bildungssysteme sind verschieden und das muss erklärt werden.“ Ähnlich sei es auch mit dem deutschen Gesundheitswesen oder wenn es um die Themen Arbeit und Wohnen gehe. Immer, so betont Servet Ciftehan, gehe es beim Dolmetschen darum, die Sichtweise beider Kulturen zu verstehen und zu respektieren. „Als Sprach- und Integrationsmittler tragen wir dazu bei, dass ein Gespräch offen, engagiert und freundlich verlaufen kann“, betont er selbstbewusst.

text: sabine damaschke/epd-west/ör-wj
foto: kirchenkreis

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