17.10.2011
Cronenberg
Anders Pilgern

Dieter Heynen (links im Bild) pilgerte auf dem Jakobsweg
Live-Musik, Einbeziehung der Gemeinde und besondere thematische Schwerpunkte: Dies alles gehört zum Cronenberger „Etwas anderem Gottesdienst“ fest dazu. An drei, vier Terminen im Jahr wird solch ein Gottesdienst gefeiert. Und das Konzept geht auf: Zu jeder Ausgabe des besonderen Gottesdienstes strömen zahlreiche Besucher in die Nikodemuskirche in Cronenberg, wo das Event stattfindet. So auch vergangenen Sonntag, als das Thema „Pilgern“ behandelt wurde. Nach einer Begrüßung der Gäste wurden wissenswerte Infos rund um das Thema „Pilgern“ gegeben. Nach Hape Kerkelings „Ich bin dann mal Weg“ erfreute sich das Pilgern größter Beliebtheit und heute gibt es diverse Pilgershops mit mehr oder weniger wichtigen Accessoires und zahlreiche Ratgeber zu dem Thema. Unter den Gästen befand sich auch der Wuppertaler Dieter Heynen, welcher sich in Spanien auf den Camino de Santiago (Jakobsweg) gemacht hatte. Ganz Europa ist voll von Jakobswegen, einer führt sogar von Wuppertal-Beyenburg nach Köln. In einem Interview vor der Gemeinde berichtete er von besonderen Emotionen, eine Wegetappe geschafft zu haben oder eine neue Erfahrung gemacht zu haben. Die Predigt übernahm Pfarrer Thomas Hoppe, in der er auf die „Kraft der Einfachheit“ beim Pilgern verwies. „Es geht um das ursprüngliche, man muss nicht schnell vorrankommen“, so Hoppe. Pilgern sei also ein Gegensatz zu dem beschleunigten Leben, das die Menschen heutzutage führen. Daneben stellte Hoppe klar, das Pilgern nicht typisch christlich sei. Besonders im Protestantismus wurde das Brauchtum in Frage gestellt, in Norwegen wurde im 16. Jahrhundert für Pilgern sogar die Todesstrafe verhängt. Das Wichtigste für die Gemeinde heute jedoch sei, dass man die Erfahrungen des Pilgerns auch ohne einen kilometerlangen Trip erleben kann. „Man ist sein ganzes Leben lang unterwegs mit Gott, er ist ein ständiger Begleiter“, sagte Hoppe. Für ihn ist es wichtig, sich auf die Gemeinsamkeit, die Pilger auf ihrer Reise untereinander erleben, im eigenen Leben zu konzentrieren- Gemeinsamkeit ließe sich zum Beispiel in der Gemeinde erleben, so Hoppe. Die musikalische Untermalung des Gottesdienstes wurde von einer Live-Band übernommen, die Songtexte wurden zum Mitsingen per Beamer sichtbar gemacht. Besonderer Programmpunkt an diesem Nachmittag war ein Theaterstück, indem ein windiger TV-Moderator und seine seriöse Kollegin den richtigen Kandidaten für eine fiktive Pilgershow per Casting suchten. Dabei kam die Frage auf, warum man überhaupt Pilgern geht. Hauptgrund sei Selbstfindung und Dieter Heynen faszinierte die Weite, die man auf dem Jakobsweg nach Santiago erlebt. Für Pfarrer Hoppe war es egal, ob man nun echt pilgert oder nicht. Wichtig für das Leben in unserer Zeit sei, dass man nicht nur seinen Körper trainiert, sondern auch der Seele Zeit gibt.
fotos und text: jan kleinschmidt/ör-jk
zurück zur Übersicht