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01.10.2011

Erntedank

Dankbar und verantwortlich

Pfarrer Nikolaus Schneider ist Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Dankbar für das tägliche Brot verantwortungsvoll mit Nahrung umgehen

Hier der mit Feldfrüchten, Gemüse, Obst und Brot reich geschmückte Altar, dort die Erntekrone aus Getreidehalmen: Am kommenden Sonntag – dem ersten Sonntag im Oktober – feiern die Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland zwischen Emmerich und Saarbrücken traditionell das Erntedankfest. „Mit dem Erntedankfest erinnern wir uns daran, dass es nicht selbstverständlich ist, wenn unsere Arbeit auf dem Feld oder im Garten im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trägt“, sagt Präses Nikolaus Schneider: „Der Dichter Matthias Claudius hat das in einem Kirchenlied, das wir gerne zu Erntedank singen, auf den Punkt gebracht: ,Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand’. Dass wir das tägliche Brot haben, ist Grund zur Dankbarkeit.“

„Dass wir hierzulande in der Regel weit mehr als das in Kühlschrank und Keller haben, was wir wirklich an Nahrung zum Leben brauchen, muss aber Anlass sein, sich selbst zu fragen, wie es denn um den eigenen Umgang mit Lebensmitteln steht“, so der oberste Repräsentant der rheinischen Kirche weiter: „So viele Nahrungsmittel landen auf dem Müll, weil zum Beispiel Bäckereien eine Riesenauswahl an Brot produzieren, das gar nicht an einem Tag verkauft werden kann. In Supermärkten landen tagtäglich Berge von Obst und Gemüse in der Mülltonne, weil die Kundinnen und Kunden Trauben oder Tomaten mit Druckstellen nicht mehr kaufen, obwohl sie für den Verzehr völlig unbedenklich sind. Diese gedankenlose Verschwendung schreit zum Himmel.“ Das Erntedankfest biete die Gelegenheit, aus Dankbarkeit für das tägliche Brot den eigenen Lebensstil zu hinterfragen.

In rheinischen Gemeinden wird in vielfältigen Formen Erntedank gefeiert. Hier zwei Beispiele: Das Gemeindefest zum Erntedanktag in Ehringshausen-Katzenfurt zeigt sich erd- und heimatverbunden – der komplette Gottesdienst mit allen Gebeten, Chorälen und Predigt wird in Mundart gehalten. Nach einem deftigen Mittagessen im Gemeindehaus geht es dann musikalisch und lyrisch in der Mundart weiter. Menschen, deren Tisch nicht reich gedeckt ist, hat die Gemeinde Wittlich im Blick: Nach dem Gottesdienst gibt es hausgemachte Kartoffelsuppe und Pflaumenkuchen. Der Erlös des Mittagessens ist für die örtliche „Tafel“ bestimmt. Außerdem sammeln die Gemeindemitglieder haltbare Lebensmittel für die „Tafel“, mit denen bedürftige Menschen vor Ort unterstützt werden.

text: pressestelle-lka/ör-wj

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