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19.11.2011

Düsseldorf

Trauerort für Flüchtlinge wird eingeweiht

Die Trauerstätte für Flüchtlinge (im Bild das Modell) liegt neben der Berger Kirche in der Düsseldorfer Altstadt.

Nach vierjähriger Planung wird am Sonntag in Düsseldorf der bundesweit erste Trauerort für Flüchtlinge und Zugewanderte offiziell eröffnet.

Der Trauerort im Hof der Bergerkirche in der Düsseldorfer Altstadt solle ein Stück Trost und Ehrung für in der alten Heimat verstorbene Angehörige und Freunde sein, sagte die Künstlerin Anne Mommertz am Donnerstag. Sie hatte den einem Schneckengehäuse nachempfundenen Ort mit Pflanzen, Wasser und Kieselsteinen entworfen.

Gerade Flüchtlinge hätten „viele Gründe zu trauern“, sagte die Leiterin des Psychosozialen Zentrums (PSZ) für Flüchtlinge, Annette Windgassen. Das PSZ hatte vor vier Jahren die Initiative zur Einrichtung eines Trauerorts ergriffen. Flüchtlinge, die zumeist in Sammelunterkünften lebten, hätten zumeist keine Rückzugsmöglichkeiten. Ihnen, sowie Zugewanderten und auch Einheimischen solle der Trauerort unter freiem Himmel „ein Platz für kleine Rituale“ sein, erläuterte Windgassen weiter.

Mommertz, nach deren Entwurf der Trauerort realisiert wurde, nannte den Ort am Donnerstag „einen lebendigen Raum des Abschieds“. Dicht gepflanzter und hoch wachsender Bambus, dicke Kieselsteine, Wasser und eine Sitzbank, die der Schwingung der Weglinie folgt, machen den Trauerort aus. Eine kleine Insel im Wasser solle „ein Handlungsraum für Trauerrituale der verschiedenen Kulturen und Religionen“ sein, der auch die Möglichkeit bietet, Kerzen zu entzünden, Blumen niederzulegen oder etwa Räucherstäbchen anzuzünden.

Der Trauerort verfügt über keine eindeutigen Symbole für eine bestimmte Religion. Im Boden angebrachte Strahler werden bei Dunkelheit für ausreichend Licht sorgen, hieß es bei der Begehung am Donnerstag weiter. Windgassen hofft, dass der Trauerort neben der Bergerkirche „auch ein Schlüssel für Verständnis und Verständigung“ zwischen Flüchtlingen und Einheimischen wird. Insgesamt 70.000 Euro wurden von Sponsoren für die Errichtung dieses deutschlandweit einmaligen Projekts gespendet.

Für den weiteren Unterhalt des Trauerorts soll nach der offiziellen Einweihung am Sonntag auch ein Freundeskreis gegründet werden, der sich um die Pflege sowie um Veranstaltungen kümmern wird. Nach Angaben der Initiatoren soll der Ort Menschen aus allen Kulturen offenstehen, „die ihre Toten nicht in ihrer Heimat betrauern können“. Flucht und Migration bedeuten nach Angaben des Psychosozialen Zentrums immer auch, Abschied zu nehmen und einen Neuanfang zu wagen. Verdrängte Trauer blockiere und könne verhindern, sich auf eine neue Lebenssituation einzulassen.

text: epd/ör-wj

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