14.09.2011
VEM
Zeit für etwas Neues

Pfarrerin Jutta Beldermann
»Hilfe, ich muss hier weg?« Jutta Beldermann lacht. Nein, das Gefühl habe sie sicher nicht gehabt, sagt sie. Eher das Gefühl, jetzt sei noch einmal Zeit für etwas Neues. Nach fast 20 Jahren verlässt die Leiterin der Abteilung Deutschland und stellvertretende Generalsekretärin die Vereinte Evangelische Mission.
Nach ihrem Studium in Wuppertal, München und Tübingen und ihrer Arbeit als Pfarrerin in Eschweiler kam sie 1992 als pädagogische Mitarbeiterin in die Ökumenische Werkstatt der VEM (heute Centre for Mission and Leadership Studies). 1997 übernahm sie die Leitung der Ökumenischen Werkstatt, seit 2005 ist sie Leiterin der Abteilung Deutschland der VEM und seit 2008 Stellvertreterin des Generalsekretärs. Als Abteilungsleiterin Deutschland begleitet sie die sechs deutschen Mitgliedskirchen und die v. Bodelschwingschen Stiftungen Bethel innerhalb der Gemeinschaft von Kirchen in drei Erdteilen, koordiniert die Zusammenarbeit untereinander und mit den Mitgliedskirchen in Afrika und Asien. »Meine Zeit bei der VEM war ein großer Teil meines Lebens und der größte Teil meines Berufslebens«, sagt Jutta Beldermann. Aber mit 53 Jahren habe sie sich jetzt ganz bewusst noch einmal für den Neuanfang entschieden.
Zurück zu den Wurzeln heißt es bei diesem Neuanfang, zurück zum Schwerpunkt Theologie. Jutta Beldermann übernimmt bei den v. Bodelschwingschen Stiftungen Bethel die Weiterentwicklung der theologischen Ausbildung für Mitarbeitende in Bethel. »Theologie für Nichttheologen – darauf freue ich mich richtig«, erzählt sie. Außerdem ist sie als Pastorin zuständig für die Diakonische Gemeinschaft Nazareth. »Da kann ich dann auch Pastorin sein. Für die normale Gemeindearbeit tauge ich ja auch nicht mehr«, lächelt sie. Guten Gewissens könne sie jetzt gehen, sagt Jutta Beldermann. »Ich habe das Gefühl, dass meine Aufgabe fast abgeschlossen ist.« Die Strukturveränderung der VEM zum Beispiel hat Jutta Beldermann wesentlich mitgestaltet. »Die Satzung zum Beispiel oder die Standing Orders: Die sind fertig und gut.« Auch die Gesamtausrichtung der Deutschen Region war ein gehöriges Stück Arbeit – aber eben auch eine wichtige Grundlage für die VEM-Arbeit in Deutschland.
Außerdem freut sich Jutta Beldermann darüber, dass die Grundlagen dafür bereitet sind, in allen deutschen Mitgliedskirchen ökumenische Mitarbeitende zu haben. Natürlich könne man jetzt schon wieder anfangen, neu zu denken, sagt sie. Aber das überlasse sie gerne ihrer Nachfolgerin oder ihrem Nachfolger. Ihm oder ihr wünscht sie vor allem, dass er sich auf die Arbeit in und mit den deutschen Mitgliedskirchen der VEM konzentrieren kann. Zwar habe sie Freizeit und Arbeitszeit eigentlich gut voneinander trennen können, sagt sie. »Nur blieb manchmal einfach ein bisschen wenig Freizeit.«
Natürlich geht Jutta Beldermann auch mit einem weinenden Auge. »Vermissen werde ich die täglichen Andachten. Natürlich werde ihre neue Stelle auch nicht andachtsfrei, »aber jeden Tag geistlich zu verankern, gemeinsam zu feiern, an andere denken, sich gemeinsam freuen oder gemeinsam zu trauern, das ist schon was Tolles!« Die Erlebnisse aus der Begegnung mit den Kirchen aus Afrika und Asien begleiteten sie ohnehin: »In Erinnerung bleiben mir beispielweise die Gespräche mit jungen chinesischen Christen, die mir erzählt haben, wie sie Christen geworden sind, und die vielen Erzählungen von Heilungserlebnissen. Die hatte ich mit meinem westlichen Wissenschaftsverständnis natürlich erst einmal skeptisch betrachtet, aber habe mittlerweile eine neue Einstellung dazu. Ganz besonders eindrücklich waren für mich auch die Gespräche mit jungen Theologen und Theologinnen in Makumira in Tansania über Beerdigungsriten. Was diese über das Leben und die Menschen aussagen, wie sehr die Kultur die Menschen prägt und wie schwer es manchmal ist, das Evangelium mit dieser Kultur übereinanderzubringen – das ist spannend.« Bei Beerdigungen begegne man grundsätzlich Menschen am intensivsten, findet Jutta Beldermann und freut sich deswegen darauf, dass auch Beerdigungen zu ihren Aufgaben in der neuen Stelle gehören werden. »Tod – da sind die Menschen nackt und bloß. Und die Frage, was das ewige Leben bedeutet, ist vielleicht eine der wichtigsten überhaupt.«
Ab dem 1. Oktober wird die Vereinte Evangelische Mission ohne Jutta Beldermann auskommen – zumindest nicht mehr hauptamtlich. »Ich will auch in den ersten Jahren keine Funktion in irgendeinem Gremium der VEM wahrnehmen«, sagt sie. Aber sie bleibe der VEM natürlich verbunden, nehme auch viele Freundschaften mit. »Und wenn man die ökumenische Gemeinschaft ernst nimmt, dann ist man, egal wo man ist, Teil der VEM.«
aus: in die Welt-für die welt/christoph wand/ör-wj
foto: vem
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