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10.11.2011

Peter Beier (1934-1996)

Engagiert und profiliert

Pfarrer Peter Beier (1934 - 1996)

Der profilierte Theologe und Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland starb heute vor 15 Jahren nach einem schweren Herzinfarkt.

Peter Beier hat auch in Wuppertal tiefe Spuren hinterlassen. So hat er die Anfänge der Cityarbeit (Projekt Café Heck-Meck, Heckinghausen) nach Kräften unterstützt. Unvergessen sind den Mitarbeitenden im Herbst 1991 zwei Besuche des Präses auf der Baustelle, wo er mitten im Umbau des ehemaligen Lampengeschäfts in der Heckinghauser Straße für die Ehrenamtlichen Pommes und Cola orderte und, im langen Mantel auf einem staubigen Stuhl zwischen Farbeimern und Abbruchcontainer sitzend, die Pause mit launigen Berichten aus der Landeskirche verkürzte.

Auch die Eröffnung der CityKirche Barmen im Jahr 1995 ist ohne sein Enagagement nicht denkbar. Er setzte sich für die Einrichtung der Pfarrstelle ein und unterstützte die Bemühungen des Kirchenkreises Barmen und der Gemeinde Gemarke um Förderung der Umbaumaßnahmen für Café und Laden aus dem landeskirchlichen Strukturfond.

Schließlich ist der Bau der neuen Synagoge auf dem Gelände der Gemarker Kirche auf seine Initiative möglich geworden: Mit den Worten "Dieses Grundstück kann man der jüdischen Gemeinde nicht verkaufen"  sorgte er für Überlegungen, das benötigte Grundstück der jüdischen Gemeinde zu überlassen um mit diesem entscheidenden Baustein die Realisierung des Vorhabens voranzutreiben. Nach seinem Tod konnte sein Nachfolger Manfred Kock im Jahr 1998 den ersten Spatenstich miterleben.

Straße und Gedenktafel
In Wuppertal erinnern die Peter-Beier-Straße in Langerfeld und eine Gedenktafel im Café der Gemarker Kirche an das Wirken von Peter Beier. Die Tafel, im Jahr 2004 von Rosemarie Beier enthüllt, hat drei Teile und verzeichnet neben dem Bild des Theologen zwei Zitate:

"Wir suchten damals nicht nur Israel, den Augapfel Gottes, auszureißen, sondern verrieten unser Bekenntnis an zentralem Punkt. Wir gaben die Menschheit Jesu preis. Wir setzten die Wahrheit beiseite, dass der Herr Jesus Jude war und ist."
nach einem Besuch in Auschwitz

"Vor den Missionarischen und sozialdiakonischen Anforderungen in den Metropolen versagen die herkömmlichen Strukturen...
Wir benötigen Citystationen, die diakonische, beratende, begleitende und nicht zuletzt missionarische Arbeit in anderen Formen versuchen."

auf der Landessynode

text: werner jacken

Peter Beier (1934-1996), Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland
Peter Beier war eine der profiliertesten Persönlichkeiten des rheinischen Protestantismus im 20. Jahrhundert. Er trat für ein Christentum ein, das weniger religiösen Dogmen verhaftet sein, sondern sich den Problemen der Zeit öffnen sollte. In einer Reihe von Zeitfragen positionierte er sich, wie beispielsweise in der Frage einer weiteren Raketennachrüstung Anfang der 1980er Jahre, die er ablehnte. Solche politischen Optionen machten ihn ebenso angreifbar wie glaubwürdig, aber auch weit über das Rheinland hinaus bekannt.

Peter Beier wurde am 5.12.1934 in Friedeberg (Kreis Löwenberg, Niederschlesien) als Sohn des Landwirts Alfred Beier geboren. Der Hof des Vaters wurde 1945 enteignet, die Familie 1946 aus Schlesien vertrieben. Nach dem Abitur in Grevenbroich 1955 studierte er bis 1959 Evangelische Theologie in Heidelberg, Bonn und Wuppertal. Schon zu Anfang seines Theologiestudiums fiel er der Kirchenleitung auf: "Kein üblicher braver Mann, sondern in starker Auseinandersetzung mit den sozialen Fragen. Er will in die Gewerkschaft eintreten. Ich habe von B. den Eindruck, dass er gründlich in die Zeitprobleme einsteigt und dazu einsatzbereit ist. Man muss für die Zukunft eine mögliche besondere Verwendung in einer Industriegemeinde für ihn Ausschau halten" (Vermerk Landeskirchenrat Quaas vom 6.8.1955 nach einem Gespräch mit Beier am 16.7.1955 in Heidelberg; Personalakte Peter Beier).

Beier war seit 1962 verheiratet mit Rosemarie Beier, geborene Drubel. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

1962 ordiniert, übernahm Beier 1963 eine Pfarrstelle in der Evangelischen Gemeinde in Düren. Ab 1972 war er auch Superintendent des Kirchenkreises Jülich. Seit 1969 war er Mitglied der Landessynode, ab 1985 nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung. Am 11.1.1989 wählte ihn die Landessynode zum Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, ein Amt, das er bis zu seinem Tode am 10.11.1996 inne hatte. Turnusgemäß war er 1990 bis 1991 und wieder von 1993 an Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche der Union.

Geprägt in seinem Studium durch die Theologie Rudolf Bultmanns (1884-1976), war Beier in dieser Zeit zusammen mit den Kollegen Dieter Schmitten und Martin Meylan besonders bemüht, die Ergebnisse der historisch-kritischen Erforschung der Bibel für die Gemeindearbeit fruchtbar zu machen, vor allem in der Predigt. Er war bekannt für seine sachlich anspruchvollen, stets theologisch reflektierten Predigten, aber auch wegen seiner Predigtsprache, die eine eigene Faszination auf die Hörer ausübte. Seine besondere Spachgestaltung hat auch in zahlreichen von ihm verfassten Artikeln ihren Niederschlag gefunden.

Darüber hinaus war Beier in Düren Ende der 1960er Jahre die treibende Kraft für neue Perspektiven der Gemeindegestaltung; unter anderem geht auf seine Initiative zurück, dass einmal im Monat in der Christuskirche ein sonntäglicher Gottesdienst als Sondergottesdienst eingeführt wurde, der frei gestaltet werden konnte – eine Regelung, die bis heute Bestand hat. Er war der "spiritus rector"  in Versuchen neuer Bekenntnisformulierungen, die in der Dürener Gemeinde diskutiert, in Gemeindebriefen dokumentiert und bei der Einstellung neuer Mitarbeiter/innen auch praktisch relevant wurden.

Anfang der 80er Jahre erregte Beier öffentliches Aufsehen durch sein Engagement in der Friedensbewegung, die sich gegen die Pläne der damaligen Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (Amtszeit 1974-1982) wandte, in Deutschland neue Pershing II-Raketen aufstellen zu lassen. In Demonstrationen, Podiumsgesprächen und öffentlichen Erklärungen war Beier der Wortführer einer Gruppe gleichgesinnter Superintendenten. nach obenIn seiner Amtsführung hat Beier besondere Akzente gesetzt, die in den Laudationes (Würdigungen) zu den beiden Ehrenpromotionen am 23.11.1994 durch die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn und am 18.5.1995 durch den Fachbereich 1 der Gerhard-Mercator-Universität–Gesamthochschule Duisburg, besonders hervorgehoben wurden. In der Bonner Festrede stellte man heraus, dass Beier auch in seiner Zeit als Präses vor allem der Prediger geblieben sei, dessen Predigten und Bibelarbeiten sich durch engagierten Gesellschaftsbezug, theologischen Gehalt, sprachliche Brillanz, einprägsame Bilder, pointierte Formulierungen und vielfache Erfahrungsbezüge auszeichneten.

Beiers Sozialengagement und sein Eintreten für den Umweltschutz erfuhren ebenso wie seine Bemühungen um ein angemessenes Gedenken des Holocausts und sein nachdrückliches Eintreten für die Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden in der Duisburger Laudatio eine besondere Hervorhebung. Besonders gewürdigt wurde sein Eintreten für die Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden auf der Grundlage des Synodenbeschlusses von 1980. Beier habe 1990 zu Recht gefordert, über eine neue Diskussion des Sozialismusbegriffs die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit auf der Welttagesordnung zu halten - ein Plädoyer, das in der Presseöffentlichkeit nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten viel Staub aufgewirbelt hatte.

Unerwartet starb Peter Beier am 10.11.1996 in Düsseldorf an den Folgen eines Herzinfarkts. In ihrem Nachruf hob die rheinische Kirchenleitung unter anderem hervor, dass Beier zutiefst von der Notwendigkeit überzeugt gewesen sei, dass dem Protestantismus für Europa eine große Aufgabe zufalle. Darum gehöre sein Engagement dem Bemühen um die Einigung der evangelischen Kirchen in Europa. Dafür habe er sich als Präsident des Exekutivausschusses der Leuenberger Gemeinschaft protestantischer Kirchen in Europa unermüdlich eingesetzt.

Zu Beiers Ehren wurde der 1993 von ihm ins Leben gerufene Kulturpreis des Präses der evangelischen Landeskirche im Rheinland in Peter-Beier-Preis umbenannt. Mit ihm werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in besonderem Maße um Völkerverständigung, den Einsatz für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit, aber auch um eine Aussöhnung und Reformierung der Kirche verdient gemacht haben. Darüber hinaus wurde 1999 eine Stiftung für die christliche Siedlung Nes Ammim in Westgalliläa initiiert, die nach ihrem langjährigen Förderer den Namen Peter-Beier-Stiftung-Nes-Ammim erhielt. In (Wuppertal-)Barmen wurde im Jahr 2004 eine Gedenktafel enthüllt, die an seine maßgebliche Rolle beim Bau der neuen Barmener Synagoge erinnert.

text: werner jacken/lvr-rheinische geschichte/ör-wj

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