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29.08.2011

EKD

Starke Schultern sollen mehr stemmen

Präses Schneider für höhere Steuern für Reiche

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, spricht sich für höhere Steuern für Reiche aus. „In der gegenwärtigen Finanzmarktkrise ist es nur gerecht, wenn starke Schultern mehr stemmen“, sagte der rheinische Präses der „Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung“ (Samstagsausgabe). Es sollten jene mehr Steuern zahlen, „die 20 Jahre lang von der Entwicklung profitiert haben, während die meisten anderen zu den Verlieren zählen“.

Auslöser der Debatte in Deutschland sind Pläne Frankreichs zu einer Sonderabgabe für Reiche, um die aktuelle Schuldenkrise zu überwinden. Auch Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz fordert Steuerreformen und mehr Transparenz im Finanzsystem. „Sie können die Steuern für Firmen senken, die viel investieren - und sie für die Firmen erhöhen, die wenig investieren“, sagte der frühere Chefökonom der Weltbank in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Man könne auch die Steuern für Reiche erhöhen und das Geld investieren.

Stiglitz regte zudem an, die Mehrwertsteuer zu senken, um den Konsum anzukurbeln. Im Gegenzug könnte man eine Steuer auf Spekulationsgeschäfte einführen. „Das würde Geld bringen und helfen, die Finanzmärkte unter Kontrolle zu bringen“, sagte er. Der US-Ökonom zeigte sich überzeugt, dass die Steuer funktionieren würde, wenn sie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien gemeinsam beschließen würde. Sie müsste aber für alle Einwohner erhoben werden, egal wo sie ihre Aktien handelten. Europa müsse ohnehin seine Steuersysteme anpassen, um Steuerflucht zu bekämpfen.

Auch die Deutsche Steuer-Gewerkschaft begrüßte Vorschläge, die Steuern für Reiche zu erhöhen. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe) sagte der Bundesvorsitzende Thomas Eigenthaler, eine Sonderabgabe für Multimillionäre in Deutschland könne ab einem Gesamtvermögen von 25 Millionen Euro greifen.

Die Bereitschaft deutscher Multimillionäre, auch mit ihrem Privatvermögen zur Krisenbewältigung beizutragen, werde generell unterschätzt. „Über die genaue Ausgestaltung der Abgabe muss natürlich die Politik entscheiden. Wichtig wäre aber, dass überhaupt über solche Maßnahmen nachgedacht wird“, sagte
Eigenthaler.

text: epd-west/ör-wj

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