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Unterlassene Hilfeleistung
Manfred Rekowski fordert Hilfe

Pfarrer Manfred Rekowski ist Superintendent des Kirchenkreises Wuppertal
Wenn in einer Stadt wie Wuppertal pro Jahr mehr Geld für die Erfüllung staatlicher Pflichtaufgaben ausgegeben werden muss, als an Steuermitteln eingenommen werden, dann droht eine fatale Entwicklung: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Wuppertal völlig überschuldet zahlungs- und handlungsunfähig sein wird. Aber es droht nicht nur ein finanzieller Kollaps, sondern die Lebensbedingungen werden sich in vielen Bereichen nachhaltig verschlechtern. Ob in der Verkehrsinfrastruktur (manche Wuppertaler Straße gleicht schon heute einer Kraterlandschaft), ob in den Bildungseinrichtungen (Schulräume werden in Eigenleistung hergerichtet), in den kulturellen Angeboten oder bei den Sportstätten: Diese Abwärtsspirale wird das Gesicht unserer Stadt nachhaltig verändern. In einigen Wuppertaler Stadtteilen mit schon auf dem ersten Blick erkennbarem Erneuerungsbedarf scheint ein Absturz ins Bodenlose unausweichlich. Wenn nicht bald mit Unterstützung von Bund und Land andere finanzpolitische Rahmenbedingungen für Städte wie Wuppertal geschaffen werden, dann hat das geradezu etwas von „unterlassener Hilfeleistung“. Es wird billigend in Kauf genommen, dass die Lebensbedingungen in unserm Land von Kommune zu Kommune weit auseinanderklaffen und nicht mehr vergleichbar sind. Zugespitzt formuliert: Während andern Orts über die Streichung von Elternbeiträgen für Kindertageseinrichtungen diskutiert werden kann, muss bei uns in Wuppertal über die Reduzierung von Angeboten zur Unterstützung von Familien, Kindern und Jugendlichen nachgedacht werden.
Wenn die Steuereinnahmen nicht einmal ausreichen, um die staatlichen Pflichtaufgaben zu erfüllen, dann wird es selbst beim besten Willen des Oberbürgermeisters, des Stadtkämmerers, des Sozialdezernenten und der Ratsmitglieder kaum noch Möglichkeiten geben, um vorbeugend und unterstützend ein tragfähiges Netz für Menschen aufrechtzuerhalten, die aus eigener Kraft allein ihr Leben nicht mehr gut bewältigen können.
Zu diesen Entwicklungen können Christinnen und Christen nicht schweigen. Es ist unsere Aufgabe „an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit“ zu erinnern wie es die Barmer Theologische Erklärung formuliert. Ich möchte Sie daher bitten sich aktiv einzumischen: Diskutieren sie mit Nachbarn und Arbeitskolleginnen, befragen Sie Politikerinnen und Politiker und unterstützen Sie die überparteiliche
Initiative „Wuppertal wehrt sich“ (www.wuppertal-wehrt-sich.de) z.B. mit Ihrer Unterschrift. Es geht nicht nur darum, dass wir aus eigenem Interesse etwas für die Lebensqualität in Wuppertal tun, sondern es geht um unsere Verantwortung für das Gemeinwesen unserer Stadt.
Manfred Rekowski, Superintendent des Kirchenkreises Wuppertal
(Auf ein Wort; Wuppertaler Rundschau vom 20.06.2009)
















